Samstag, 28. Juli 2018

Overtourism

Venedig hat erstmals Drehkreuze aufgestellt, um den Zugang von Besuchern zu strategischen Orten in der Stadt zu regeln. Dubrovnik will die Zahl der Kreuzfahrttouristen pro Tag halbieren. Amster­dam genehmigt keine neuen Hotels oder Souvenirshops mehr in der Innenstadt. Mallorca begrenzt die Zahl der Gästebetten in seiner Inselhauptstadt und in Barcelona werden Touristen sogar schon von den Einheimischen beschimpft. Seit kurzem gibt es ein neues Wort dafür: Overtourism. Der Begriff beschreibt eine Situation, in der eine Touristenhochburg derart von Besuchern überrannt wird, das die Einheimischen sich dagegen auflehnen.
Overtourism ist auch für Snobs unangenehm, bevorzugen sie es doch weit entfernt von der billigen Masse die Sehenswürdigkeiten eines Ortes zu genießen. Im Wesentlichen gibt es für den Snob zwei Strategien, um mit dem Overtourism umzugehen: Den Ort meiden oder Zeitfenster abseits der Touristenmasse nutzen.
Zuallererst sollte man die Hauptreisezeit vermeiden. In der Vor-, Nach- oder Nebensaison (i.d.R. außerhalb der Schulferien) herrscht generell weniger Betrieb. An manchen Orten reicht dies schon aus, um ungestört seinen Urlaubsfreuden nachzugehen. Ferienorte die zu allen Zeiten von Touristen überlaufen sind sollte ein Snob prinzipiell nicht aufsuchen. Oft findet sich wenige Kilometer entfernt ein Nachbarort, der deutlich weniger häufig besucht wird und der genau die Atmosphäre bietet, die man in dem überlaufenen Pendant vergeblich sucht.
Handelt es sich jedoch um einen einzigartigen Ort (z.B. Venedig oder die Pyramiden), funktioniert das natürlich nicht. Hier kann man nur die zweite Strategie nutzen, nämlich seine Besichtigungstour zu den Zeiten absolvieren, zu denen die Touristenmasse noch nicht vor Ort ist. Gewöhnlich sind das die frühen Morgenstunden, der späte Nachmittag und die Abende. So kann man zum Beispiel das Monument von Stonehenge zu bestimmten Tagesrandzeiten für sich alleine buchen (d.h. früh auf­stehen) oder man besucht ein Museum oder eine andere Sehenswürdigkeit am späten Nachmittag, ein oder zwei Stunden vor Feierabend (oft gibt es dafür sogar verbilligte Eintrittskarten).
Auf jeden Fall sollte man im Netz nachschauen, ob man vorab Eintrittskarten bestellen kann, mit denen man an der allgemeinen Warteschlange vorbei bevorzugt eingelassen wird. Das erfordert zwar ein wenig Planung und mindert die Spontaneität, aber dafür gestaltet sich die Besichtigungs­tour deutlich reibungsloser, als wenn man erst eine Stunde (oder länger) in einer Warteschlange zubringen muss. Übrigens kann das Prinzip auch anderorts funktionieren; z.B. vermieten Ferienorte an der Nordseeküste Strandkörbe ab 14 Uhr oft zum halben Preis. Folglich erledige man vormittags seine Einkäufe oder besichtige eine Sehenswürdigkeit und gehe erst Nachmittags (wenn man über­dies sicher sein kann, dass das Wetter mitspielt) an den Strand.

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