Sonntag, 15. Juli 2018

Burano / Venezien

Wem Venedig zu voll und zu laut ist (und bei welchem Snob ist das nicht der Fall), der sollte sich mal das 10km weiter nördlich gelegene Burano ansehen (isoladiburano.it). Der Ort besteht aus vier Inseln, die durch Kanäle voneinander getrennt und durch Brücken miteinander verbunden sind. Eine weitere Brücke führt auf die Nachbarinsel Mazzorbo. Typisch für Burano sind die vielen kleinen in jeweils einer zu den Nachbarhäusern kontrastierenden kräftigen Farbe gestrichenen Fischerhäuser. Die Legende erzählt, dass die Farbgebung der Häuser der Orientierung der Fischer diente, die bei Nebel oder nach durchzechter Nacht ihre Insel und ihr trautes Heim anhand der Farbe ausmachten. Die kuriose Farbenpracht zieht viele Maler und Fotografen an. Bekannt ist Burano seit dem 16. Jahrhundert für seine Spitzenstickerei, die auch heute noch in der 1872 gegründeten Scuola di Merletti gepflegt wird. Sehenswert sind weiterhin das Denkmal für den Komponisten Baldassare Galuppi, der aus Burano stammt, und der Campanile der Kirche San Martino.
Zur Anreise nutze man den Nachtzug München – Venedig. Vom Bahnhof fahre man mit einem Vaporetto zur Haltestelle Fondamente Nove und steige dort um in den Vaporetto Nr. 12 (Terminal D) nach Burano. Die Anreise mit dem Auto erfolgt via Jesolo bis Cavallino-Treporti (cavallino.info); dort den Wagen abstellen (ev. gebührenpflichtig) und mit dem Vaporetto Nr. 12 oder Nr. 14 nach Burano fahren. Für die Reise nach Italien könnte man einen der Autozüge nach Verona (ca. 170km) oder Villach (ca. 250km) nehmen.

Exkurs: Was man bei Restaurantbesuchen in Italien wissen sollte
In Italien existiert keine Trinkgeldkultur, d.h. Trinkgeld geben ist nicht üblich, auch nicht die Rechnung aufzurunden (kann einem Snob nur recht sein). Gruppen erhalten prinzipiell eine Rechnung für den ganzen Tisch (eigene Rechnungen für jede Person sind unbekannt). Cappuccino nur vormittags bestellen! Nachmittags trinkt man i.d.R. Kaffee ohne Milch, höchstens aber einen Caffè Latte. Zu Abend gegessen wird erst ab etwa 21 Uhr. Wer also nach guter alter Gewohnheit gegen 19 Uhr zu Abend essen möchte, muss damit rechnen, schräg angesehen zu werden. Beim Essen von Pasta keinen Löffel benutzen – gilt als unschicklich. "Spaghetti Bolognese" ist kein italienisches Gericht! Die Kasse neben dem Eingang in vielen Eisdielen und Bars ist ein sicheres Zeichen dafür, dass man vor der Bestellung bezahlt und erst danach mit dem Kassenzettel bestellt, was man schon gezahlt hat. Und in Gesprächen mit Italienern die Themen Politik und Mafia vermeiden. Ein Snob sollte diese Dinge wissen; ob er (oder sie) sich daran hält, ist natürlich eine andere Frage. Nebenbei bemerkt finden sich in italienischen Ortschaften häufig Trinkbrunnen, an denen man seine Wasserflasche auffüllen kann.

Nachtrag: Mazzorbo  
Die Insel ist mit der Nachbarinsel Burano über eine Brücke verbunden. Mazzorbo ist ländlich geprägt und lebt teilweise vom Gemüseanbau. Viele Berufstätige der etwa 300 Einwohner pendeln jedoch nach Venedig oder Murano. Neben einigen Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist die Kirche Santa Caterina aus dem 14. Jahrhundert erwähnenswert, in deren Campanile die älteste Glocke der Lagune (1318) hängt. Hotels oder Mietzimmer gibt es auf Mazzorbo nicht, lediglich einige Restaurants und einen kleinen Supermarkt.

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