Mittwoch, 27. Februar 2019

Das Saarland (für Snobs?)

Es ist keine Region die viele Touristen anzieht. Es gibt zwar ein Thermalbad, aber sonst eher wenig was touristisch interessant wäre. Aber vielleicht ist es genau das, was den Reiz des Saarlandes aus­macht.
In der Gemeinde Kleinblittersdorf, am Rande der Ortschaft Rilchingen-Hanweiler befindet sich die (recht teure) Saarland Therme (Tageskarte €30; saarland-therme.de). Der Bahnhof Hanweiler (Gr) liegt etwa einen Kilometer entfernt. Das heutige Thermalbad, mit Sauna und Wellness-Bereich, wurde 2012 eröffnet, auch wenn die Quelle schon seit 1841 für medizinische Zwecke genutzt wird. Ob eine Kurtaxe erhoben wird, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich.
Der Idee eines Kurortes am nächsten kommt Weiskirchen im sog. „Schwarzwälder Hochwald“; seines Zeichens „Heilklimatischer Kurort“, also ein besserer Luftkurort (Kurabgabe €1.40; weiskirchen.de). Außerdem werden Kneipp-Behandlungen angeboten. Ein Hallenbad gibt es auch (vitalis-weiskirchen.de). Fast die Hälfte des mit etwa 6500 Einwohnern bevölkerten Gemeinde­gebietes ist bewaldet. Durch das Gemeindegebiet führen der Saarland-Rundwanderweg und der Saar-Hunsrück-Steig, außerdem gibt es einen Wildpark mit Hochseilgarten. Im Ort existieren ein paar sehenswerte, historische Gebäude, darunter mehrere Sakralbauten (saarschleifenland.de).
Der heilklimatische Kurort Orscholz im westlichen Saarland gehört zur Gemeinde Mettlach, aller­dings spielt sich der Kurbetrieb vorwiegend in der örtlichen Reha-Klinik ab (Kurabgabe €1.80). Bekannt ist der Ort vornehmlich für den Aussichtspunkt Cloef mit seinem unverwechselbaren Blick auf die Saarschleife. In der Nähe gibt es einen Baumwipfelpfad. Der Lidl an der Straße nach Weiten besitzt einen Heißgetränkeautomaten.
Etwa 20 Kilometer südöstlich von Orscholz existiert auf dem Gebiet des Merziger Stadtteils Biet­zen eine öffentlich zugängliche Heilquelle, direkt am Saarufer und an der L174, wenige hundert Meter entfernt vom Bahnhaltepunkt Fremersdorf.
Der heilklimatische Kurort Nonnweiler liegt im äußersten Norden des Saarlandes nur rund 30km von Trier entfernt (Kurabgabe nicht bekannt). Namhaft ist hier vor allem die Primstalsperre, die jedoch nur als Trinkwasserreservoir dient und nicht für den Wassersport genutzt wird. Ganz in der Nähe liegt der 695 Meter hohe Dollberg, der höchste Berg des Saarlandes. Bei Nonnweiler gibt es am Peterberg außerdem ein Freizeitzentrum mit einer Sommerrodelbahn. Durch das Gemeinde­gebiet führen der Saarland-Rundwanderweg und der Saar-Hunsrück-Steig. Im Ort selbst findet man diverse historische Gebäude, darunter im Ortsteil Braunshausen Gebäude aus der Frühzeit der Industrialisierung.
Nicht weit von Nonnweiler befindet sich der Bostalsee; ein Stausee der vornehmlich touristischen Zwecken dient. Um den See herum führen ein 6,8km langer Wanderweg und ein 7,2km langer Radwanderweg. Das touristische Angebot des Freizeitzentrums mit Ferienpark beinhaltet Camping, Segeln, Angeln, Surfen, Tretbootfahren, Schlittschuhlaufen, Beachvolleyball, ein Strandbad und ein Tropenbad. Südwestlich von Weiskirchen befindet sich mit dem Losheimer Stausee ein weiteres Freizeitareal. Umgeben ist der See von einem 4,1km langen Rundwanderweg und einem großen Freizeitzentrum mit Minigolfanlage, Bootshafen, Gastronomie und einem Strandbad, auf dessen Areal gelegentlich Open-Air-Konzerte stattfinden. Beide Seen sind leider nur wenig snobtauglich.
Mit dem Brennenden Berg, in der Nähe des Saarbrücker Stadtteils Dudweiler gelegen, hat das Saar­land jedoch eine Sehenswürdigkeit zu bieten, die man nur dort findet – auch wenn eigentlich gar nicht viel zu sehen ist. Nach der Überlieferung geriet rund 500 Meter nordnordwestlich der Berg­kuppe, in einer Art Klamm die durch den Abbau von Alaunschiefer entstanden war, in den 1660er Jahren ein offener Steinkohlenflöz in Brand. Über die Brandursache gibt es widersprüchliche Angaben. Selbst Johann Wolfgang von Goethe hat den Brennenden Berg im Jahre 1770 besucht und darüber geschrieben. Die Felsspalten mit Wärmeaustritt sind bis heute ein beliebtes Besucherziel, vor allem für Schulausflüge.
Erwähnenswert ist überdies noch der Weinbau an der Saar, auch wenn sich das wichtigste Weinbau­gebiet zwischen Serrig und Konz schon im Nachbarland Rheinland-Pfalz befindet. Der Weinbau im Saarland umfasste lange Zeit nur die Mosel bei Perl, wo auf Muschelkalkböden überwiegend die Rebsorte Elbling wächst. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Weinbautradition an der Saar­ländischen Saar wiederbelebt, mit ersten Weinbergen bei Saarfels und Merzig. Leider wird nur wenig Winzersekt produziert, was diesen allerdings recht exklusiv macht.
In das Saarland gelangt man von Norden kommend über die A1 via Trier oder von Osten über die A6 oder die A8/B10. Da die o.g. Ortschaften recht verstreut liegen, ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwierig. Leider sind nur die Orte Rilchingen-Hanweiler, Dudweiler, Perl und Fremersdorf mit der Eisenbahn erreichbar.

Dienstag, 26. Februar 2019

Der Wiener Opernball 2019

Wien ist im Opernballfieber. Nur noch zwei Tage bis zum großen Ereignis. Und wie immer, speku­liert die Presse darüber, wer kommt, wer nicht kommt und wen Mörtel-Lugner wohl dieses Jahr als Gast einladen wird. Sicher ist bis dato nur, dass Bundespräsident van der Bellen, Kanzler Kurz und Vizekanzler Strache dabei sind, zusammen mit ihrem Gast, dem Ministerpräsidenten Mazedoniens, und dass Richard Lugner wahrscheinlich das australische Supermodell Elle Macpherson mitbringt (übrigens kriegt Lugner bald sein eigenes Wachs-Double in der Wiener Filiale von Madame Tus­saud's). Alle weiteren sind eher B-Prominente. Die (fast schon skandalöse) Nachricht des Tages: Anna Mikl-Leitner, Tochter von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, debütiert nach dem Jägerball nun auch am Opernball. Übertroffen wird dies nur noch vom Interview Lugners mit dem „Standard“, in welchem er den Verdacht äußert, Logen-Kellner würden ihm heimlich leere Champagnerflaschen unter den Tisch stellen und später sagen, er und seine Begleiterinnen hätten sie ausgetrunken. Bei Preisen ab €315 pro Flasche ist das zugegebenermaßen keine Kleinigkeit. Lug­ner: "Die Gefahr ist, dass die Kellner Strawanzer sind." Die Cateringfirma ist verärgert und betont, dass sie schon seit 150 Jahren beim Opernball serviert. Ob auch schon genauso lange mit dem Champagner strawanzt wird, bleibt offen. 78% der Beteiligten einer Umfrage sagen, dass der Opernball wichtig für das positive Image Österreichs ist. Ein weiterer hoher Anteil sieht den Ball als Teil der kulturellen Identität Österreichs, obwohl er den meisten Befragten (ca.70%) zu teuer ist. Das stellt in der Praxis jedoch kein Problem dar, da die Befragten ohnehin nicht eingeladen wurden (die billigste Eintrittskarte kostet etwa €400 und selbst zum Kauf muss man eingeladen werden). Zugegebenermaßen wird jedoch ein Teil der Kosten vom Steuerzahler aufgebracht, z.B. für das erhöhte Polizeiaufgebot vor der Oper. Damit wären die wichtigsten Informationen über den Wiener Opernball zusammengefasst. Der Rest ist ohnehin jedes Jahr das Gleiche und mehr braucht ein Snob nicht darüber zu wissen.

Montag, 25. Februar 2019

Gepäckträger vs. Gepäcktransport

Viele gehobene Dinge sind aus unserem Alltag verschwunden. Eines davon sind Gepäckträger­dienste. Nur noch an fünf Bahnhöfen der BRD werden sie angeboten: Bremen, Dresden, Göttingen, Hannover und Osnabrück. Im Ausland sieht es nicht anders aus; lediglich in Frankreich findet man in großen Bahnhöfen noch Gepäckträger. Welche Alternativen gibt es?
  • Man könnte den Gepäckversandservice diverser Paketdienste nutzen (z.B. Hermes, DHL) oder sein Gepäck gleich als Paket verpacken und an den Zielort schicken.
  • Die Bahn AG bietet einen Gepäcktransport innerhalb der BRD und nach Österreich, der Schweiz, Südtirol und Italien an, der teilweise vom Hermes Versand abgewickelt wird. Versendet wird im Regelfall Haus-zu-Haus, also von der eigenen Wohnung bis ins Hotel am Zielort (Ausnahme Schweiz; dort wird nur bis zum nächsten Bahnhof versandt). Innerhalb der BRD kann der Gepäckversand auch an Kreuzfahrtschiffe und bestimmte Flughäfen erfolgen.
Preislich gesehen ist der Gepäckversandservice der Bahn jedoch recht teuer. Am billigsten ist der (Bahn-)Versand von Hermes Paketshop zu Paketshop mit €13.90; Haus-zu-Haus Normalgepäck kostet €17.90, Sondergepäck (z.B. Fahrräder, Skier) €27.90. Deutlich teurer ist der Versand von Normal- oder Sondergepäck in die Schweiz und nach Italien mit €49.90. Für den Versand zu einem Flughafen werden €59.90 berechnet. Alle Preise verstehen sich für ein Gepäckstück und pro Richtung.
Gibt man sein Reisegepäck direkt in die Obhut des Hermes Versandes, ohne den Umweg über die Bahn, dann kostet der Inlandsversand von Paketshop-zu-Haus €14.99, von Haus-zu-Haus €17.99 (Inselzustellung + €6.99). Sondergepäck wird nicht mehr befördert, kann aber als Paket eingeliefert werden. International kann Reisegepäck in zahlreiche Länder Westeuropas als Paket verpackt versendet werden (ca. €30 pro Stück). Bei DHL ist nur der Inlandsversand von Gepäck möglich. Man benötigt eine Gepäckbanderole aus dem Postladen und eine Paketmarke für Pakete bis 31.5kg (ab €16.49). Auch hier könnte man das Reisegepäck als Paket verpackt international versenden (Preise um die €60 je nach Zielland).
Sinn macht ein Gepäckversand eigentlich nur, wenn man Sondergepäck hat oder auf seiner Reise mehrfach umsteigen muss. Ist man nur mit einem Rollkoffer unterwegs, benötigt man nicht unbe­dingt einen Gepäckversandservice. Hat man jedoch mehrere Gepäckstücke bei sich, dann könnte man versuchen seinen Umsteigehalt auf einen der Bahnhöfe zu legen, an denen es noch Gepäck­träger gibt. Bei einem Preis von €2.50 pro Gepäckstück ist das auf jeden Fall günstiger.

Sonntag, 24. Februar 2019

Pfandfreie Getränke

Nach der neuerlichen Verschärfung des Verpackungsgesetzes zum 1. Januar 2019 gibt es in der BRD nur noch wenige Möglichkeiten pfandfreie Erfrischungsgetränke zu erwerben. Fruchtnektare und Mineralwasser im Tetrapack bieten der DM-Drogeriemarkt und der Textildiscounter KIK. Fruchtnektare gibt es auch bei Rossmann. Stille Mineralwasser im Tetrapack findet man u.a. bei Kaufland. Ansonsten existieren noch diverse Kindergetränke in Plastikfläschchen oder Folien­beuteln.
Wer die üblichen Dosengetränke bevorzugt, muss diese im benachbarten Ausland kaufen (außer Skandinavien). An den Grenzen der Niederlande, Belgiens, Luxemburgs und Tschechiens zur BRD gibt es Grenzmärkte mit pfandfreien Erfrischungsgetränken und Bier. In der Schweiz, in Österreich und in Frankreich findet man selbige im nächsten Supermarkt. Hin und wieder kann man auch auf Fährschiffen von und nach Skandinavien pfandfreie Getränke erwerben (nicht jedoch in Skan­dinavien selber!). Ansonsten bleibt noch die Möglichkeit pfandfreie Dosengetränke in den Nieder­landen zu bestellen (handelsplazavenlo.eu). Diese werden per Paket bundesweit ausgeliefert.

Samstag, 23. Februar 2019

Die Speläotherapie für Snobs

Der Begriff „Speläotherapie“ bezeichnet die Behandlung von Atemwegskrankheiten in einem so genannten Heilstollen (auch als Heil- oder Klimahöhle bezeichnet). Von diesen existieren in der BRD zehn Stück; sie sind im Deutschen Heilstollenverband zusammengeschlossen (deutscher-heilstollenverband.de). In Österreich gibt es drei Heilstollen: In Bad Gastein (gasteiner-heilstollen.com), in Oberzeiring / Steiermark (Nähe Triebener Tauernpass; heilstollen.at) und in Bad Bleiberg / Kärnten (heilklimastollen.at). Auch wenn ein Snob nicht unter Atemwegserkrankungen leidet, könnte er prophylaktisch von Zeit zu Zeit einen solchen Heilstollen besuchen. Zumindest bietet der Besuch Abwechslung von den sonst üblichen Trink- und Badekuren. Nicht alle Heilstollenorte besitzen jedoch eine gute touristische Infrastruktur.

Freitag, 22. Februar 2019

Obernhof an der Lahn

Der Weinort am Mittellauf der Lahn kurz hinter Nassau besitzt ein sehr schönes Wandergebiet (obernhof.de) und die Weinlage Obernhofer Goetheberg (ca. 6 Hektar, 5 Winzer). Die Weinlage wird zum Weinbaugebiet Mittelrhein gezählt, zusammen mit der des ca. 1km entfernten und etwas höher gelegenen Nachbarortes Weinähr Weinährer Giebelhöll (ca. 1 Hektar, 3 Winzer). Die meisten Winzer verkaufen Wein direkt ab Hof. Sehenswert sind das Schloss Langnau und einige sakrale Gebäude. Im Ort findet man drei Gasthäuser, ein Café und vier Weinstuben (einige mit eigenen Bootsanlegern) sowie einen kleinen Lebensmittelladen. Durch die Lage am Flussufer gibt es außerdem einen Kanuverleih, Bootcharter und Gastliegeplätze auf der Lahn. Einen Internetzugang bietet die Touristeninformation. Einen Besuch wert ist eventuell der Leifheit-Fabrikverkauf im Nachbarort Nassau (ca. 6km).
Anreise: Mit dem Auto geht es über die A3 bis Görgeshausen, dann via Eppenrod und Hirschberg auf die B417 oder ab Lahnstein auf die B417. Die Bahn verkehrt ab Koblenz, Limburg oder Gießen. Mit dem Boot fährt man vom Rhein kommend die Lahn flussaufwärts.

Donnerstag, 21. Februar 2019

Bad Staffelstein

Der oberfränkische Ort besitzt seit 1975 eine solehaltige Thermalquelle (50°C), einen Kurpark und zwei Gradierwerke (Kurbeitrag €2). Den Titel „Bad“ erhielt er 2001. Seit 1986 findet der Kur­betrieb in der Obermain Therme statt (Tageskarte €15; obermaintherme.de). Gelegentlich werden dort auch Sonn­tags-Brunches im Bademantel veranstaltet, in den Sommermonaten auch Bademantel-Grillabende. Bekannt ist Bad Staffelstein für seine barocke, von Balthasar Neumann erbaute Basilika Vierzehn­heiligen, sowie für das außerhalb gelegene Kloster und Schloss Banz. Sehenswert sind weiterhin diverse Kapellen, Rathaus und Stadtturm, der Stadtbrunnen und das Denkmal für den bekannten Rechenmeister Adam Ries(e), der aus Bad Staffelstein stammt. Ansonsten findet man in der Innen­stadt auch noch zahlreiche Fachwerkbauten und diverse Baudenkmäler jüngeren Datums (bad-staffelstein.de). Der Ort liegt an der Bahnstrecke Bamberg – Hof. Im Bahnhof halten u.a. auch Regionalzüge aus Nürnberg. Ein Hermes-Paketshop liegt außerhalb der Innenstadt in der Lichten­felser Straße. Am östlichen Ortsrand verläuft die Autobahn 73.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Sulzfeld am Main

Der Weinort in Unterfranken im südlichen Maindreieck bei Kitzingen gilt als Geburtsstätte der Me­terbratwurst (sulzfeld-main.de). Sehenswert ist die gut erhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung mit dem entsprechenden Ortsbild. Im Ort existiert ein Lebensmittelladen. Einen Ausflug wert ist das Solebad im ca. 6km entfernten Kitzingen (aquasole.de). Dort gibt es auch einen Golfclub (golfclub-kitzingen.de).
Anreise: Mit der Bahn via Würzburg nach Kitzingen, dann mit Bus 8112 oder Taxi bis Sulzfeld (vvm-info.de). Mit dem Auto über die A3 oder A7 bis Kitzingen, dann B8 und Landstraße bis Sulzfeld.

Dienstag, 19. Februar 2019

Picknick auf Lolland

Die zu Dänemark gehörende, flächenmäßig viertgrößte Ostseeinsel besitzt zahlreiche bemerkens­werte Vorzeitdenkmäler, u.a. Ganggräber, Megalithen und Runensteine der nordischen Megalith­architektur, die sich teilweise hervorragend als Picknickplätze eignen, wie z.B. der Wald von Frejlev (Frejlev Skov), nordöstlich von Nysted und südlich von Nyköbing, direkt am Guldborgsund. In dem etwa vier Kilometer langen und ca. einen Kilometer breiten Waldgebiet befinden sich neben kleinen Steinkreisen mehr als 100 bronzezeitliche Grabhügel, neun Lang-, vier Runddysser (Dolmen), fünf Ganggräber und einige Monolithen. Der Wald stellt in Kombination mit einer Fährschifftour ein sehr gutes Tagesausflugsziel von Fehmarn oder Rostock aus dar. Etwa 3 km Luftlinie vom Wald entfernt und unweit einer Bushaltestelle befindet sich das Fuglsang Kunstmuseum mit Café (fuglsangkunstmuseum.dk).
Anreise: Der Wald von Frejlev ist ab Rødbyhavn mit dem Zug bis Nyköbing und dann mit dem Bus Linie 730 (Info unter moviatrafik.dk) bis Haltestelle Kildevej, Nystedvej oder Eskemosevej recht gut zu erreichen. Die Reisezeit ab Puttgarden liegt bei günstiger Verbindung bei unter zwei Stunden. Die Fähren verkehren zwischen Puttgarden und Rødbyhavn im 24h-Betrieb etwa alle 40 Minuten, bei einer Fahrzeit von ca. 45 Minuten (scandlines.de). Der Ausflug kann auch von Rostock aus über den Fährhafen Gedser organisiert werden, allerdings werden von dort täglich nur fünf Fährverbindungen je Richtung angeboten und die Fahrzeit der Fähre liegt bei zwei Stunden.
Mit dem Auto fahre man ab Rødbyhavn zunächst die E47 oder die Landstraße 153 bis Holeby (Ausfahrt 49) und dann weiter die Landstraße 297 bis Frejlev. Ab Gedser nehme man die E55 bis Nyköbing und wechsle dann über die Landstraße 9 auf die Landstraße 297 bis Frejlev. In Frejlev biege man von der Hauptstraße ab in den Eskemosevej und gleich wieder links in den Enghavevej.
Einkaufen: Im den Häfen von Puttgarden und Rostock befinden sich Grenzmärkte (Border Shops; border-shop.dk) mit einem Warenangebot, welches auf nordische Kunden ausgerichtet ist. Weitere Grenzmärkte existieren in Rostock-Hinrichsdorf (calle.dk), Burg auf Fehmarn und Heiligenhafen. Für Mitteleuropäer sind eventuell die skandinavischen Süßwaren und Erfrischungsgetränke interessant. Gelegentlich findet man sogar günstige Sonderangebote bei den Spirituosen. Auf den Fährschiffen gibt es die üblichen Einkaufsmöglichkeiten, darunter auch pfandfreie Getränke. Mög­lichenfalls lohnt sich sogar ein Blick in einen dänischen Supermarkt, auch wenn diese gemeinhin als teuer gelten. Dafür haben kleinere Geschäfte oft aber auch an Sonntagen geöffnet. Erfrischungs­getränke sind in Dänemark pfandpflichtig.

Montag, 18. Februar 2019

Rømø

Die dänische Insel nördlich von Sylt stellt eine brauchbare Alternative zu Deutschlands Renom­mierinsel dar, wenn auch keine preiswerte. Da die Lebensmittelpreise in Dänemark merklich höher als beim südlichen Nachbarn sind, empfiehlt es sich ein Ferienhaus zu mieten und den Proviant von zu Hause mitzubringen oder vor dem Grenzübertritt in einem der zahlreichen Grenzsupermärkte einzukaufen. Die nächste, preiswerte Einkaufsmöglichkeit wären die Grenzmärkte in Aventoft, etwa 50km von Rømø entfernt. Auf Rømø selbst gibt es natürlich auch Geschäfte. Die meisten Ferienquartiere findet man in Lakolk; buchen kann man über dk-ferien.de. Auf dem Campingplatz werden Ferienhütten und Wohnwagen vermietet (lakolkcamping.dk). Es gibt auch einen Ferienpark (rim-romo.dk) und zwei Hotels: Das Hotel Lakolk (hotel-lakolk.dk) und das Hotel Vadehavet (hotel-vadehavet.dk). Ein beliebter Ausflug ist die Fahrt mit der Fähre von Havneby nach List/Sylt (ca. 40 min., Restaurant und Bordshop; verkauft werden pfandfreie Getränke, skandinavische Süßwaren und pro Person eine Schachtel zollfreie Zigaretten).
Anreise: Mit dem Auto aus Richtung Husum über die B5, aus Richtung Flensburg über die L192 und bei Süderlügum (Grenzmärkte) nach Tønder abbiegen; weiter über die dänische Nr. 11 nach Skærbæk und dort auf die 175 nach Rømø. Mit der Bahn fährt man bis Niebüll, dann weiter mit dem Nahverkehrszug bis Skærbæk und ab dort mit dem Bus 285 nach Rømø. Ab Sylt geht es mit der Fähre (syltfaehre.de).

Sonntag, 17. Februar 2019

Wandern auf Bornholm

Die dänische Ostseeinsel ist bekannt für ihre vorgeschichtlichen Denkmäler, darunter 14 Gang­gräber, 11 Dolmen und unzählige Felszeichnungen und –ritzungen, in einer Landschaft zwischen Karst, üppigem Grün und Meer, die mittels diverser Wanderwege gut erschlossen ist (bornholm. info). Dort einen geeigneten Picknickplatz zu finden ist kein Problem. Eine ausführliche Info­broschüre über die Felsritzungen gibt es im Velkomstcenter in Rønne am Hafen. Weiterhin existieren auf der Insel mehrere Golfplätze und in Rønne ein (leider nur bedingt snobtaugliches) Wellness-Spa mit Sauna. Außerdem hat die Insel ein recht gutes Busnetz. Die meisten Linien verkehren im Stundentakt (bat.dk).
Die Anreise nach Bornholm erfolgt am Besten mit der Fähre ab Saßnitz auf Rügen nach Rønne (weitere Fähren verkehren ab dem dänischen Køge und dem schwedischen Ystad). Fahrten gibt es nur an bestimmten Tagen und die gängige Abfahrtszeit ab Sassnitz ist 11:50 Uhr; den genauen Fahrplan findet man unter bornholmslinjen.de. An Bord gibt es die übliche Gastronomie und im Hafen Saßnitz Border Shops, die auf skandinavischen Kunden ausgerichtet sind (stenalinebordershop.se, viking-shop-mukran.de). Zwischen dem Bahnhof Saßnitz und dem Fähranleger gibt es keine geeignete ÖPNV-Verbindung; man muss ein Taxi nehmen (funktaxi-ruegen.de, ruegentaxi.de, inseltaxi.de; alle ca. € 14). Die örtliche Buslinie 18 verkehrt nur einmal täglich zwischen Saßnitz Busbf. (ab 14:56 Uhr) und Fähranleger (an 15:13, ab 15:14, Saßnitz Busbf. an 15:28 Uhr). An den Bahnhöfen Bergen und Binz existieren Gepäckschließfächer (nicht in Saßnitz).
Die Anreise mit dem Flugzeug erfolgt via Kopenhagen mit Danish Air Transport. Der Bornholmer Flughafen befindet sich an der Südküste bei Rønne und wird von den Buslinien 3 und 5 bedient (bornholms-lufthavn.dk). Am Flughafen gibt es ein Restaurant, WLAN und einen Geldautomaten.

Samstag, 16. Februar 2019

Die Heilbäder im Nordschwarzwald II

In der landschaftlich besonders reizvollen Gegend des Nordschwarzwaldes liegen gleich mehrere interessante Kurorte. In Bad Herrenalb wartet die Siebentäler Therme auf Besucher (siebentaelertherme.de). Der unbegrenzte Tagesaufenthalt kostet €10.50 (Kurtaxe 2.50). Damit gehört Bad Herrenalb zwar nicht mehr zu den ganz preiswerten Kurorten, liegt aber noch im erschwinglichen Bereich. Nur wenige Kilometer östlich von Bad Herrenalb befindet sich der altehrwürdige Kurort Bad Wildbad (Kurtaxe €3). Hier gibt es das historische Palais Thermal (Tageskarte €22; palais-thermal.de) und die moderne Vital Therme (Tageskarte €13). Im nahegelegenen Bad Liebenzell existiert die Paracelsus-Therme. Die Tageskarte schlägt mit €13 zu Buche (mit Kurkarte €11.50, Kurbeitrag €2.40; paracelsus-therme.de). Im kleinsten Heilbad Baden-Württembergs Bad Teinach ist die neugestaltete Mineraltherme einen Besuch wert. Der Ganztagespreis beträgt €15 (Kurtaxe €2.25; therme-bad-teinach.de). Westlich von Bad Herrenalb und im Murgtal liegt Bad Rotenfels, ein Ortsteil von Gaggenau. Die dortige Rotherma berechnet für die Tageskarte €16.50 (Kurtaxe €1). In Waldbronn, nördlich von Bad Herrenalb, gibt es die Albtherme. Hier ist die Tageskarte mit €22.50 relativ teuer (Kurtaxe €1.60).

Freitag, 15. Februar 2019

Bernkastel-Kues an der Mosel

Der Doppelort an der Mittelmosel ist ein beliebtes Reiseziel. Entsprechend belebt ist es dort in der Hauptsaison, weshalb ein Snob vielleicht eher die Nebensaison für seinen Besuch wählt. Es lohnt sich jedoch hinzufahren, denn einen romantischeren Weinort wird man kaum finden. Bekannt ist der Ort auch wegen seines mittelalterlichen Stadtbildes, zu dem untrennbar das bekannte Spitzhäuschen von 1416 gehört. Über der Stadt thront die Burgruine Landshut. Bekannte Weinlagen sind der Bern­kasteler Doctor und die Wehlener Sonnenuhr. Aufgrund einiger Reha-Kliniken oberhalb des Ortes blüht auch der Gesundheitstourismus. Bekanntester Sohn der Stadt ist der mittelalterliche Gelehrte Nikolaus Cusanus.
Wer dem Trubel des Hauptortes ausweichen möchte, quartiert sich in den Ortsteilen Andel oder Wehlen ein. Den Busverkehr von und nach Bernkastel-Kues und innerhalb des Ortes findet man unter der Liniennummer 333 (vrt-info.de). Gastronomie gibt es zur Genüge; Fans der unkomplizierten Küche sollten den Currywurst-Treff in der Römerstraße ausprobieren. Am Karlsbader Platz im Ortszentrum und am alten Moselbahnhof gibt es öffentliche Toiletten. Der Aldi auf dem Kueser Moselufer hat einen Heiß­getränkeautomaten. Picknickplätze findet man in den Hanglagen am Kardinalsberg (mit Brunnen), an der Burg und am Graben. Bernkastel-Kues erhebt derzeit keine Kurtaxe.
Die Anreise kann mit der Bahn bis Traben-Trarbach erfolgen; ab dort verkehren stündlich Busse unter der Linienummer 333 nach Bernkastel-Kues (Fahrzeit ca.35min.). Ab Traben-Trarbach ist in den Sommermonaten auch die Anreise mit dem Fahrgastschiff möglich (moselrundfahrten.de oder mosel-personenschifffahrt.de). Die Fahrtdauer liegt bei etwa zwei Stunden; es wird eine Schleuse durchfahren. Der Bahnhof Traben-Trarbach liegt ca. 500 Meter vom Schiffsanleger entfernt. Im Ortsteil Kues befindet sich ein Hermes Paketshop mit Reisegepäckannahme. Durch Bernkastel-Kues führen die Bundesstraßen 50 und 53. Über die B50 gelangt man in Fahrtrichtung Westen auf die A1 und die A60, in Richtung Osten auf die B327 (Hunsrückhöhenstraße) und die A61.

Donnerstag, 14. Februar 2019

Die Moseltherme in Traben-Trarbach

Weit im Westen der Republik und am Ufer der Mosel liegt Traben-Trarbach (Kurtaxe €1; traben-trarbach.de). Im südlichen Ortsteil Trarbach befindet sich die Moseltherme (moseltherme.de) mit einer modernen Badelandschaft, deren Quelle seit etwa 1809 bekannt ist. Ansonsten ist der Ort vom Weintourismus geprägt. Sehenswert sind diverse Festungsanlagen, einige historische Gebäude und mehrere Museen. Einen Besuch wert ist außerdem der Stadtturm in Trarbach mit Aussicht über die Dächer der Stadt. Zu nennen wäre auch noch der Fernwanderweg Moselsteig, der durch die Stadt führt. 
Erreicht wird Traben-Trarbach mit der Bahn ab Koblenz und mit Umsteigen in Bullay auf die RB85, die stündlich zwischen Traben und Bullay pendelt. Im Ort gibt es diverse Paketshops mit Reisegepäckannahme (und eine kostenlose Toilette am Busbahnhof). Durch den Ortsteil Trarbach und am Moselufer entlang führt die Bundes­straße 53. Die nächstgelegene Autobahn wäre die A1 bei Wittlich; die Hunsrückhöhenstraße B327 verläuft etwa 20km südlich von Traben-Trarbach. Nicht viel weiter entfernt befindet sich der Flug­hafen Hahn. Im Sommer verkehren Fahrgastschiffe auf der Mosel von Traben-Trarbach nach Zell und Bernkastel-Kues.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Linktipps

  1. Wenigstens hat diesmal niemand randaliert, wie damals auf dem Swiss-Flug von Moskau nach Zürich, als in der Ersten Klasse der Champagner ausging: Kein Teewasser an Bord – Flieger muss notlanden.
  2. Best Spas of Europe: Wellness Centren in Europa (und Singapur). Leider alle sehr teuer.
  3.  Venedig-Besuche: Wer Venedig sehen will, muss drei Euro zahlen
  4. Wer seinem Snob-Hund eine Freude machen will, sollte einen Blick auf das Angebot der slowenischen Firma «Hov-Hov» werfen. Diese offeriert Backwaren für Hunde. Einleitende Informationen findet man in der Handelszeitung.
  5. Die britische Firma VonShef bietet Haushaltswaren, Bar- und Picknickzubehör an. Zum Sortiment gehören auch Trinkgefäße aus Metall.

Dienstag, 12. Februar 2019

Kurort-Prädikate

Für Orte mit Fremdenverkehr gibt es eine ganze Reihe von Gütebezeichnungen. Die Begriffe sind weitgehend abgestuft und ein Ort muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen um in den Genuss der einen oder anderen Bezeichnung zu kommen. Die Prädikate werden vom jeweiligen Bundesland vergeben. Alle Orte müssen eine auf Tourismus ausgelegte Infrastruktur aufweisen und dürfen eine Kurtaxe verlangen.
Die niedrigste Stufe ist die Fremdenverkehrsgemeinde. Die Kriterien sind das Vorhandensein verschiedenartiger Fremdenverkehrseinrichtungen (Wanderwege, Freizeitanlagen), eine beachtliche Beherbergungskapazität oder eine erhebliche Bedeutung des Fremdenverkehrs. Die Gemeinde soll einen touristisch ansprechenden Gesamteindruck vermitteln.
Die zweitniedrigste Stufe ist der Erholungsort. Luft und Klima des Ortes müssen laut einem Gut­achten Eigenschaften aufweisen, die der Erholung förderlich sind.
Als nächstes folgt der Luftkurort. Dieses Prädikat wird an Ortschaften vergeben, deren Luft und Klima laut einem Gutachten Eigenschaften aufweisen, die für Erholung und Gesundheit förderlich sind. Der Unterschied zum Erholungsort liegt im wesentlichen in dem Zusatz „und Gesundheit“.
Ein heilklimatischer Kurort besitzt ein therapeutisch wirksames Bioklima mit einer außerordent­lichen Luftqualität, außerdem einen Kurbetrieb.
Ein Heilbad besitzt i.d.R. - neben guter Luft - ein Vorkommen eines natürlichen, wissenschaftlich anerkannten und durch Erfahrung bewährten Heilmittels des Bodens (etwa Mineral-, Thermal- oder Sole-Quellen sowie Moorheilbäder). Weiterhin ist ein Kurbetrieb notwendig. Der Ort darf die Bezeichnung „Bad“ führen. In der Regel hat ein Heilbad folglich irgendeine Form einer Heilquelle oder eine Fangogrube; es gibt jedoch auch Heilbäder ohne solche, z.B. Kneipp-, Felke- und Schroth­heilbäder.
Das Prädikat Seebad (auch Seeheilbad) erhalten Orte, deren Ortsmitte nicht mehr als 2km vom Meer entfernt liegt und die einen Kurbetrieb besitzen. In einem Kneipp-Kurort oder -Heilbad werden Behandlungen nach der Kneipp-Medizin verabreicht.

Fazit: Als Snob sollte man sich nicht von der Begriffsinflation verwirren lassen. Ein ernstzuneh­mender Kurort ist nur ein solcher mit einer Heilquelle (oder einer Fangogrube) und einem entspre­chenden Kurbetrieb. Alle anderen sind Ferienorte, die allerdings auch ihren Reiz haben können.

Sonntag, 10. Februar 2019

Gedanken zum Kurleben

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich in Europa aus zahlreichen kleinen, unbedeutenden Käffern mit einer schlammigen Heilquelle vornehme Kurbäder. Vor allem der Bau repräsentativer Kurgebäude fällt in diese Zeit. Dazu gehörte u.a. eine Brunnen- und Wandelhalle, in der das zu trinkende Heil­wasser ausgeteilt wurde und wo die Kurgäste beim Trinken witterungsgeschützt flanieren konnten. Denn – wie es damals oft hieß – das Heilwasser wirke am Besten wenn es während des langsamen Umhergehens in kleinen Schlucken getrunken würde. Zur Unterhaltung der Kurgäste spielte dabei häufig ein Kurorchester in einem in den Bau integrierten Veranstaltungsbereich. Natürlich durften auch weitere Veranstaltungsgebäude (mit Ballsaal), ein Kurtheater und ein Spielcasino nicht fehlen. Mit den steigenden Besucherzahlen kamen auch immer mehr nichtadlige Gäste. Nach dem Ende der Monarchie in vielen europäischen Ländern setzte im 20. Jahrhundert ein Trend zur Vulgarisierung ein, sodass sich das Kurgastprofil vom Adel und gehobenen Bürgertum immer mehr auf „Sozial­gäste“ verlagerte, wie die von Krankenkassen eingewiesenen Kurgäste oft genannt wurden. Und anstelle von Tanzbällen gab es in den ehemaligen Ballsälen nun Tagungen und Konferenzen. Diese Tendenz wurde von den Sozialversicherungsträgern verstärkt, indem sie in den Kurstädten eigene Kurkliniken einrichteten. Allerdings wurden die wenigen positiven Auswirkungen dieser Entwick­lung (wie die gestiegene Besucherzahl) auch wieder zunichte gemacht, als kurz vor der Jahrtausend­wende Gesundheitsreformen einen Besucherrückgang bei den Sozialgästen auslösten. Das führte dann nicht selten dazu, dass anstelle des traditionellen Kurbetriebes in Kurmittelhäusern moderne Thermal-Spaßbäder und Wellness-Badelandschaften errichtet wurden, die auch ohne offizielle Krankenkassenkur besucht werden konnten, in der Hoffnung damit wieder mehr Besucher anzu­locken. Die Folge war eine weitere Vulgarisierung der Gästeklientele. Die Situation ist heute so geartet, dass sogar einst noble Kurorte zu besseren Ferienorten mit Spaßbad verkommen sind. Da­mit fällt aber die alte „Sehen-und-gesehen-werden“-Funktion von Kurorten, wie man sie früher auch von Kreuzfahrten kannte, weg.
Der Sinn einer Kreuzfahrt war bekanntlich - neben dem Reiseerlebnis - der gesellschaftliche Kon­takt und ebenjenes Sehen-und-gesehen-werden. Mittlerweile sind Kreuzfahrten jedoch zu einem Massenmarkt verkommen, sodass sich auf den Kreuzfahrtschiffen ein eher durchmischtes Publikum niedrigerer Provenienz tummelt. Neuere Kreuzfahrtschiffe können mehr als 6000 Passagiere auf­nehmen und bieten ein Unterhaltungsprogramm, das an einen Rummelplatz erinnert. Bei Kurorten scheint die Entwicklung in die selbe Richtung zu verlaufen, wenn man die modernen Spaßbäder mit Saunalandschaft und Wellness-Bereich ansieht.
Der Snob muss nun einen Schritt zurück treten und die Dinge aus der Distanz betrachten. Bietet ein Kurort nicht mehr die gesellschaftlichen Möglichkeiten vergangener Zeiten, dann gibt es einen Grund weniger dort hinzufahren. Was dann übrig bleibt, ist das Kurambiente, bestehend aus impo­santen (teils zweckentfremdeten) Kurbauten, Parklandschaften, Freizeitangeboten, (nicht mehr ganz so) gehobener Hotellerie und Gastronomie sowie Luxusgeschäften. Der eigentliche Zweck eines Kurortes wird darüber schnell vergessen: Die Nutzung der ortsgebundenen Heilmittel des Bodens. Aber genau darum geht es! Man sollte sich folglich wieder auf das Wesentliche besinnen.
Um die ortsgebundenen Heilmittel des Bodens zu nutzen, braucht man keine imposante Architektur oder gehobene Hotellerie. Eine Beschränkung auf das Nötige ist daher angebracht. Was also benö­tigt man für eine Kur? Selbstverständlich das Heilmittel, in der Regel eine Heilquelle (seltener eine Fangogrube), und einen Ort, wo dieses Heilmittel zur Anwendung kommt. Bei Trinkkuren reicht ein Brunnen; bei Badekuren muss es ein Badebecken o.ä. sein. Als Unterkunft wäre eine rustikale Pen­sion und als gastronomische Anlaufstelle ein ebenso rustikaler Landgasthof denkbar (Gasthof mit Pension ginge natürlich auch). Eine angenehme Landschaft wäre schon wichtig und ein paar Frei­zeitmöglichkeiten wären nicht zu verachten, aber auf alles andere kann man getrost verzichten. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Kosten einer solchen „Basis-Kur“ erheblich unter denen liegen, die ein Aufenthalt in einem gehobenen Kurort verursacht.
Ein Kurort ohne gehobene Kureinrichtungen, eine Unterkunft in einer rustikalen Pension und eine Heilquelle ohne Brunnenhalle erweckt Assoziationen an die Vorläufer der Kurorte: Die Wildbäder, naturbelassene Badestellen an Seen, Flüssen oder eben Heilquellen. Das heißt natürlich nicht, dass man wieder zu den teils recht abenteuerlichen Zuständen der Anfangszeit zurückkehren sollte. Man werfe an dieser Stelle einen Blick auf das Alte Bad Pfäfers im St. Galler Rheintal (Schweiz): Die Heilquelle entspringt tief unten in der Taminaschlucht und ist seit dem Mittelalter bekannt. In den Anfangsjahren wurden die Kurgäste in Körben in die Schlucht abgeseilt. Um 1718 wurde der Kur­betrieb an den Eingang der Schlucht in das damals neu errichtete Bad Pfäfers verlegt, welches bis zu 500 Kurgäste beherbergen konnte. Erst 1840 wurde das Wasser in einer Rohrleitung nach Bad Ragaz geführt, wodurch dieser Ort zum Heilbad wurde. Es gibt heute wohl kaum einen Kurgast der der Zeit hinterher trauert, als die Gäste noch in die Schlucht abgeseilt wurden.
Aber auch wenn an leichter erreichbaren Quellorten inzwischen das Baden außerhalb dafür vorge­sehener Einrichtungen verboten und somit der Weg zurück zum Wildbad versperrt ist, ist eine Bade­kur in einem einfachen Badebecken ein Schritt in die richtige Richtung. Das gilt sogar wenn das Becken in eine moderne Badelandschaft eingebettet ist, zumal es sonst ohnehin keine Alternative gibt. Folglich nutzt auch ein Snob die modernen Thermal-Badelandschaften.
Wie aber kann man das Fehlen des gesellschaftlichen Lebens, wie man es in einem Kurort des 19. Jahrhunderts vorfand, kompensieren? Die (vergleichsweise einfache) Antwort darauf liefert das Internet: Eine Notiz bei Facebook, ein paar Fotos bei Instagram oder ein Twitter-Tweet und schon erfährt es die Welt.

Freitag, 8. Februar 2019

Telefonier-Rabatt für Weltreisende

Wer sich bei Travelling Connect online unter Angabe der Mobiltelefonnummer registriert, kann auf bestimmte Roaming-Gespräche Bonusmeilen für verschiedene Bonusprogramme erhalten, u.a. auch für Flying Blue (eines der wenigen einigermaßen snobtauglichen Programme). Es gibt vier Meilen für jede ausgehende Gesprächsminute und eine Meile für je zwei gesendete SMS (travellingconnect.com). Leider gibt es nur in sehr wenigen Ländern Betreiber, die an diesem Programm teilnehmen und die meisten davon befinden sich in Asien. In der Nähe Westeuropas findet man Teilnehmer nur in der Türkei (Turkcell) und in Montenegro (T-Mobile). Bei den außereuropäischen Ländern ist für den Snob eventuell Thailand (true move) interessant.

Donnerstag, 7. Februar 2019

Zum Türkischen Bad nach Istanbul

Man möchte sagen, dass man noch nie gewaschen gewesen ist, bevor man nicht ein Türkisches Bad genommen hat.” So soll es Helmuth von Moltke beschrieben haben, der um 1835 als Militär­berater im Osmanischen Reich tätig war. Die orientalische Körper- und Badekultur ist etwa 5000 Jahre alt. Das Türkische Bad – der “Hamam” – kommt aus dem Arabischen und das Wort bedeutet soviel wie “wärmen”. Die Körperreinigung, das Schwitzen und die Massage sind Elemente eines uralten schamanischen Rituals. Ein Hamam besteht traditionell aus einem Warmluftraum, einem Heißluftraum mit einer Temperatur zwischen 40 und 50 Grad Celsius, kühleren Räumen sowie den Umkleidekabinen. Das Dampfbad darf niemals komplett nackt, sondern nur mit einem um den Körper gewickelten Leinentuch, dem sogenannten “Pestemal”, betreten werden.
Das erste öffentliche Badehaus von Istanbul, das Cağaloğlu Hamamı, ließ im Jahre 1741 Sultan Mahmut I. errichten. Hier hat nach ihm auch Kaiser Wilhelm II. ein Dampfbad genommen (cagalogluhamami.com.tr). Älter ist jedoch der Gedik Ahmet Paşa Hamam aus dem Jahre 1475, der - als Privatbad errichtet - überdies ein bedeutendes architektonisches Denkmal der osmanischen Zeit darstellt (gedikpasahamami.com). Nur unwesentlich jünger (von 1550) ist der Süleymaniye Hamam. Dieses Badehaus war zur privaten Nutzung des Sultans auch Teil innerhalb des Süleymaniye Moschee-Komplexes (suleymaniyehamami.com.tr).
Ausführliche Informationen über die Badehäuser Istanbuls mit der Möglichkeit zur Vorbuchung gibt es auf der Webseite der Istanbul Tourist Information (istanbul-tourist-information.com). Natürlich erhält man dort auch andere interessante und wichtige Informationen über die Stadt am Bosporus.
Istanbul ist aber durchaus auch für einen Shoppingtrip geeignet. Die Erstattung der 18%igen Mehrwertsteuer ist für Nicht-Ansässige ab TRY 118,- (~ € 51,- / CHF 61,-; bei Bekleidung ab TRY 108,-) möglich. Allerdings verzeichnet Global Blue nur das İstinye Park Einkaufszentrum (istinyepark.com) als Einkaufsort mit Steuererstattung, was bedeutet, dass man wohl auf einen lokalen Servicepartner zurückgreifen muss. Einen Besuch wert ist - neben dem İstinye Park Einkaufs­zentrum – auch der Große Bazar Kapali Çarsi. Mit etwa 5000 Läden ist er sozusagen der Urvater aller Einkaufszentren. Dort gibt es vor allem Lederwaren, Teppiche und Schmuck. Besuchen sollte man ihn möglichst an Freitagen, am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn keine Besuchergruppen da sind. Bei der Galata-Brücke liegt der Gewürzbasar, mit Waren die vorwiegend aus Ägypten importiert werden. Das Feilschen nicht vergessen! Die örtliche Hermès-Filiale befindet sich an der Adresse Abdi İpekci Cad.Bo.79 Nişantaşı. Einen Besuch wert sind außerdem die Bar des Georges Hotel Galata, mit einem atemberaubenden Blick über Istanbul, und die Bar Vogue, Spor Caddesi, BJK Plaza A Blok Kat:13 Akaretler (Restaurant, Sushi- und Weinbar mit Blick auf den Bosporus und Summit Bar and Terrace im Conrad Hotel, Cihannuma Mah., Besiktas).
Für die Anreise empfiehlt es sich auf den Spuren des Orient-Express zu wandeln und die Nachtzüge von Wien nach Bukarest und von Bukarest nach Istanbul zu nehmen. Der legendäre Luxuszug, dem vor allem Agatha Christie mit dem Krimi „Mord im Orient-Express“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat, existiert zwar nicht mehr; offiziell wurde der letzte Nachfahre des O.E. mit dem Winter­fahrplanwechsel 2009 eingestellt. Aber sein Geist scheint weiter zu leben, und zwar in Gestalt der besagten Nachtzüge, die zwar keine durchgehende Verbindung anbieten, aber den Reisenden erahnen lassen, wie es früher gewesen sein mag.
Die rumänische Staatseisenbahn betreibt einen Nachtzug von Wien nach Bukarest (EN347), Wien Hauptbahnhof ab 19:42 Uhr ME(S)Z, über Budapest, Arad und Braşov nach Bukarest, Gara de Nord an 15:50 Uhr EE(S)T am Folgetag. Die anschließende Nacht verbringt man in einem Bukarester Hotel in Bahnhofsnähe, z.B. im Andy Hotel (ab €45; andyhotels.ro), Vila 11 Hostel (ab €20; vila11.hostel.com) oder Hotel Elizeu (ab €50; hotelelizeu.ro). Ein Tipp: Am Bahnhofskiosk gibt es die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (täglich von Di.-Sa.; adz.ro). Am nächsten Tag geht es weiter mit D 461 / 465 / 81031 Bosphorus Express, Bukarest ab 12:50 Uhr EE(S)T über Dimitrowgrad nach Istanbul, an 07:50 Uhr EE(S)T am folgenden Tag.
Die Rückfahrt beginnt in Istanbul mit D 81032, ab 22:00 Uhr EE(S)T, und endet (zunächst) in Bu­karest Gara de Nord an 17:15 Uhr EE(S)T. Nach einer Übernachtung in der rumänischen Hauptstadt geht es am nächsten Tag weiter mit EN346, ab 14:00 Uhr EE(S)T, am folgenden Tag Wien Haupt­bahnhof an 08:18 Uhr ME(S)Z.
Zwischen Wien und Bukarest werden verschiedene Übernachtungskategorien angeboten, vom ein­fachen Sitzplatz bis zum Schlafwagen mit 1- oder 2-Bett-Abteil, eigener Dusche und WC. Zwi­schen Bukarest und Istanbul reicht die Auswahl von einem Platz im 6-Bett-Abteil Liegewagen bis zum 1- oder 2-Bett-Abteil mit eigenem Waschbecken im Schlafwagen.
Alle o.g. Züge verkehren täglich (ohne Gewähr). Wer möchte, könnte ab Wien mit weiteren Nacht­zügen u.a. nach Köln, München oder Zürich reisen, und damit der alten O.E.-Route noch ein wenig mehr näher kommen.
Andere Anreisemöglichkeiten: Zur Anreise per Flugzeug empfiehlt sich Eurowings (ab €49 + Ge­bühren). Alternativ könnte man in der Sommersaison ab München ZOB 2x wöchentlich per Euro­lines-Fernbus (eurolines.de) die etwa 1900km lange Strecke nach Istanbul zurücklegen. Die Fahrtdauer beträgt ca. 32 Stunden, der einfache Fahrpreis liegt bei €125. In den Sommermonaten verkehrt ein Autozug zwischen Villach und Edirne. Und gelegentlich wird Istanbul auch von Kreuzfahrtschiffen angelaufen.
Hinweis: Alle mit dem Zug durchfahrenen Länder (außer der Türkei) gehören der EU an, sodass keine Visa benötigt werden, allerdings kann es Zollkontrollen geben, auch innerhalb des Schengen-Raumes. Die Fernbusse verkehren gewöhnlich über Serbien; hier sollte man vorher die Einreise­vorschriften konsultieren. Österreichische Staatsbürger benötigen für die Einreise in die Türkei ein Visum!
Übrigens: Wer sich aus Istanbul ein geschmackvolles Souvenir mitbringen möchte, könnte es damit probieren: http://www.globalblue.com/destinations/turkey/istanbul/souvenir-serap-korkmaz-sofia-tea-set (sieht zumindest auf den Fotos gut aus).

Dienstag, 5. Februar 2019

Besonders preiswert kuren in Bad Zwesten

Einen günstigeren (und gleichzeitig snobtauglichen) Kurort zu finden als Bad Zwesten in Nord­hessen am Rande des Kellerwaldes ist schwierig. Der Standard-Kurbeitrag liegt mit €1.50 im erschwinglichen Bereich (bad-zwesten.de). Kurkarteninhaber dürfen kostenlos an den Trinkstunden der Heilquelle Löwensprudel im Kurhaus (ganzjährig) oder im Brunnentempel im Löwensprudel­park (nur im Sommerhalbjahr) teilnehmen und erhalten weiterhin u.a. diverse Rabatte auf Eintritte zu Veranstaltungen. Die Benutzung des Bewegungsbades im Kurhaus ist mit €3 pro Tag außer­ordentlich günstig (mit Kurkarte €2.50; es gibt u.a. auch 10er-Karten), jedoch sind die Öffnungs­zeiten etwas restriktiv: Montag von 16.00 bis 20.30 Uhr, Dienstag und Mittwoch geschlossen, Donnerstag von 16.00 bis 20.30 Uhr, Freitag (Warmbadetag, Zuschlag €0.70) von 08.30 bis 20.30 Uhr, Samstag von 14.00 bis 18.00 Uhr, Sonntag von 8.00 bis 18.00 Uhr und an Feiertagen von 8.30 bis 11.30 Uhr. Neben dem Hauptbecken gibt es ein zusätzliches 34°C warmes Rundbecken, mit Unterwassermassagedüsen, Nackenschwallbrause und einem Bodensprudler.
Ferienzimmer sind schon ab etwa €35 pro Tag und pro Person im Angebot. Im Stadtgebiet finden sich einige sehenswerte mittelalterliche Bauwerke (u.a. die Wehrkirche), die Sternwarte (sternwarte-hwk.de) und das Heimatmuseum (museumbadzwesten.de). Im Kurhaus werden regelmäßig Konzerte veranstaltet und die Region um Bad Zwesten ist ein beliebtes Wanderrevier. Preiswert speisen kann man u.a. im örtlichen Rewe, in der Cafeteria der Hardtwaldklinik I oder im Kurhaus-Bistro. Einen Besuch wert ist auch das Tanzcafé Kurgarten, selbst wenn es etwas poppig daherkommt.
Die Anreise ist u.a. mit diversen Flixbus-Linien möglich. Der Hermes Paketshop im Ortszentrum nimmt Reisegepäck an. Der nächste Bahnhof befindet sich in Borken und wird mit dem Anruf­sammeltaxi erreicht (n-s-e.de oder nvv.de; siehe auch Buslinie 410). Für die Anreise mit dem Auto liegt Bad Zwesten am Schnittpunkt der Bundesstraßen 3 und 485. Zur A49 (Kassel – Fritzlar – Marburg), Anschlussstelle Borken/Bad Zwesten sind es ca. fünf Kilometer.

Sonntag, 3. Februar 2019

Reisen Erster Klasse

Eine Einteilung nach Reiseklassen findet man heutzutage fast nur noch bei der Eisenbahn (und im Flugverkehr). Passagierschiffe, Straßenbahnen oder Busse haben nur (noch) eine Reiseklasse. Na­turgemäß ist der Komfort in der ersten Klasse höher als in der zweiten – oder sollte es zumindest sein. Der größte Vorteil der ersten Klasse ist natürlich die Abgrenzung von den übrigen Reisenden, was sich vor allem in überfüllten Zügen positiv bemerkbar macht, beschränkt sich die Überfüllung in der Regel doch nur auf die zweite Klasse. Die erste Klasse ist im Allgemeinen schon auf der Außenseite des Zuges als solche markiert, meistens durch eine gelbe Linie (seltener orange) an der Dachkante oder an der Tür und durch die Ziffer „1“ oder (röm.) „I“ neben der Tür. In modernen Hochgeschwindigkeitszügen werden die Klassen nicht mehr nummeriert, sondern tragen einen Namen, z.B. First, Business, Premier, Select, Comfort, Priority für die gehobene Reiseklasse; z.B. Economy, Standard, Budget für die zweite Klasse.
Die DB AG fährt heute im Fernverkehr generell mit der ersten und zweiten Wagenklasse in einem Sitzverhältnis von 20:80. Vorzüge der ersten Klasse sind bequemere Sitze mit größerem Sitzabstand als in der zweiten Klasse, Sitzplatzreservierung, die kostenlose Benutzung der DB Lounge an großen Bahnhöfen und in einigen Zügen auch Bedienung am Platz und kostenlose Zeitungen. Der Aufpreis einer Fernverkehrsfahrkarte der ersten Klasse liegt bei etwa 60% des Preises einer Fahr­karte für die zweite Klasse, jedoch finden sich hin und wieder Sonderangebote, die kaum über dem Preis der zweiten Klasse liegen.
Im Nahverkehr unterscheiden sich heute erste und zweite Klasse teilweise kaum mehr. In manchen Nahverkehrszügen weicht die erste Klasse nur durch die Farbe der Polster von der zweiten ab. An­dererseits findet man in den neuen Doppelstockwagen in der ersten Klasse eine „2+1“-Bestuhlung, verstellbare Sitze, Klapptische und Fußablagen. Oft gibt es auch Einzelsitze in der ersten Klasse und Sitzbänke in der zweiten. In Stadtbahnen und Bussen existiert heutzutage in der Regel keine Klasseneinteilung mehr. Für einige Schnellbuslinien des Hamburger Verkehrsverbundes benötigt man jedoch eine Zuschlagskarte 1. Klasse, wie sie sonst nur bei Regionalzügen üblich ist.
Die Österreichischen Bundesbahnen bieten die erste Klasse fast nur in Fernverkehrszügen und selten in internationalen Regionalzügen an; es gibt bequemere Sitze und Zeitungen und an großen Bahnhöfen darf die ÖBB-Lounge besucht werden. Der Railjet hat eine Business Class, die in Öster­reich für den Fahrpreis der 1. Klasse mit einem Zuschlag von €15 (einschließlich Platzreservierung) zu nutzen ist (im Ausland gilt dieser Bereich in den ÖBB-Wagen als normale erste Klasse). Im Fahrpreis ist eine Tageszeitung und ein Begrüßungsgetränk enthalten, das an den Platz gebracht wird.
In den Zügen der österreichischen Westbahn ist ein Wagen für das Angebot Westbahn plus reser­viert. Für einen Aufpreis von €10 bis €15 je nach Strecke stehen jedem Fahrgast zwei Sitzplätze, eine Zeitung und ein Freigetränk zur Verfügung und in diesem Wagen werden die Fahrgäste mit Getränken und Snacks am Platz bedient. Die Inneneinrichtung dieses Bereichs unterscheidet sich ansonsten nicht vom restlichen Zug.
In der Schweiz ist die erste Klasse nicht nur im Fernverkehr, sondern auch im Regionalverkehr weit verbreitet. In der S-Bahn ist der Komfortunterschied gering, sonst aber wird in der ersten Klasse im Allgemeinen merklich mehr Platz pro Fahrgast geboten (Sitzplatzanordnung 2+1 und mehr Bein­freiheit). Gelegentlich findet sich selbst auf Fahrgastschiffen auf den größeren Seen noch eine erste Klasse.
Einige Fernbuslinien von Eurolines bieten eine Business Class. Diese beinhaltet hochwertige Sitze und mehr Beinfreiheit, Infotainment, freien Internetzugang (WiFi), 220V Steckdosen und Zeitungen und Magazine. Angeboten werden neben der täglichen Route Berlin – Budapest die ebenfalls tägli­chen Verbindungen Berlin – Bratislava und Berlin – Wien und mehrmals täglich Berlin – Prag und München – Prag. Des weiteren werden Business Class-Verbindungen auf den Strecken Hamburg – Rotterdam, Oldenburg - Hamburg – Kopenhagen und Berlin – Kopenhagen offeriert.
In Nachtzügen und auf Fährschiffen mit Übernachtungskabinen gibt es unterschiedliche Reise­kategorien, vom einfachen Schlafsessel oder Liegewagen bis zum Deluxe-Abteil mit Dusche und WC und von der einfachen Innenkabine bis zur „Schiffseignersuite“. Im Linienflugverkehr wird eine Vielzahl von Reisekategorien mit unterschiedlichen Leistungen geboten, welche die klassische Aufteilung in First, Business und Economy Class weitgehend abgelöst haben. Bei der Fährgesellschaft Color Line erhält man als Mitglied des Color Clubs (kostet €10/Jahr) - neben Rabattpunkten und Reiseangeboten - im Terminal Kiel Zugang zum VIP-Check-In und zur VIP-Lounge (mit Getränken und WLAN), sofern man ohne Fahrzeug reist. Die Buchung einer höheren Kabinenklasse wird jedoch extra berechnet.

Freitag, 1. Februar 2019

Theaterkreuzfahrt nach London

Nirgendwo auf der Welt findet man so viele Theater auf vergleichsweise engem Raum wie in London. Den Besuch einer Nachmittagsvorstellung kann man sogar mit einer Mini-Kreuzfahrt kombinieren. Stena Line (stenaline.de) verkehrt täglich zwischen dem Hafen von Rotterdam Hoek van Holland und der englischen Hafenstadt Harwich. An Bord der Schiffe gibt es die üblichen Einrichtungen (Plus Lounge, Restaurants, Bordladen, Kino, WLAN etc.). Die Fahrpreise für eine Mini-Kreuzfahrt inklusive Übernachtungskabine beginnen bei etwa €120; gelegentlich gibt es Sonderangebote ab ca. €90.
Nach dem Ausborden in Harwich und der Zugfahrt nach London bleibt Zeit für einen Rundgang durch die Innenstadt mit Mittagessen (Mr. Kong Chinese Restaurant, 21 Lisle Street liegt dem Theaterviertel am nächsten) bevor die Nachmittagsvorstellung - gewöhnlich gegen 14.30 Uhr GMT(+1) – anfängt und gegen 17:00 Uhr GMT(+1) - gerade rechtzeitig zum Fünf-Uhr-Tee - endet.
Einchecken in Harwich ist abends bis etwa 22:30 Uhr GMT(+1) möglich, sodass für die Rückreise zum Schiff genügend Zeit bleibt, allerdings lautet die Empfehlung der Fährgesellschaft schon den Zug um 19:30 Uhr GMT(+1) ab London zu nehmen, sodass man gegen 21:00 Uhr GMT(+1) wieder auf dem Schiff ist.
Lästig ist allerdings, dass der Reisende sein Gepäck vom Zielhafen Harwich nach London mitneh­men muss; es an Bord der Fähre zu lassen ist nicht vorgesehen. Auch gibt es in Harwich Interna­tional Port keine Gepäckaufbewahrung; die nächste Möglichkeit dazu befindet sich im Londoner Bahnhof Liverpool Street Station und kostet £10 pro Gepäckstück und pro Tag. Die Zugfahrt von Harwich nach London dauert ca. 90 Minuten und ist leider etwas verspätungsanfällig. Man sollte also großzügige Zeitpuffer einplanen, vor allem weil die Reisezeiten möglicherweise in die Stoß­zeiten des Berufsverkehrs fallen.
Die Theaterkarten für die Nachmittagsvorstellung (engl. „Matinee“ oder „Mats“) sollte man bereits vorab reserviert haben. Informationen zu den laufenden Vorstellungen und Tickets gibt es unter londontheatre.co.uk. Für die Nutzung des Londoner Nahverkehrs benötigt man eine Day Travelcard für die Zonen 1+2 zum Preis von £9, die man am Bahnhof LSS an Automaten kaufen kann.

Die Anreise nach Rotterdam ist mit der Bahn oder dem Fernbus möglich. Vom Hbf. geht es halb­stündlich weiter mit Regionalzügen (Sprinter) zum Fährterminal der Stena Line nach Hoek van Holland Haven (Fahrzeit ca. 33min., €5.40; 9292.nl oder ret.nl). In der Nähe des Fährterminals gibt es einen Albert Heijn und einen Lidl Supermarkt (ca. 450m), direkt am Hafen das Yamasaki Restau­rant (japanische Küche; yamasaki-restaurant.nl). Weitere Restaurants etc. befinden sich in der Nähe, u.a. die Willempie Snackbar, Huydecoperstraat 23a (ca. 1.1km). Eine Gepäckaufbewahrung gibt es nur am Hbf. Rotterdam (Centraal), außerdem eine NS International Lounge (nsinternational.nl) mit dem üblichen Angebot, inklusive WLAN (niederl. draadloos internet). Zugang erhalten 1.-Klasse-Passagiere mit einem Ticket im Mindestwert von €10 (oder diversen anderen Zugangsberechtigun­gen). Wer mit dem Auto kommt, kann im Parkhaus neben dem Terminalgebäude parken (€20 für drei Tage).

Nachtrag: Mr. Kong Chinese Restaurant hat dauerhaft geschlossen.