Donnerstag, 20. September 2018

Stippvisite im Louvre

Paris ist bekanntermaßen mit dem Kampf gegen den Terror beschäftigt. Wer es trotzdem wagen will dort hin zu fahren, könnte auch und vor allem dem Louvre einen Besuch abstatten (die Mona Lisa hängt im Raum 711; immer den Menschenmassen folgen), denn von Oktober bis März ist an jedem ersten Sonntag im Monat der Eintritt in den Pariser Louvre (louvre.fr) gratis. Das Centre Georges Pompidou (centrepompidou.fr) - u.a. mit seinem Museum für moderne Kunst - bietet den kosten­freien Zutritt am ersten Sonntag eines Monats sogar das ganze Jahr über. Außerdem könnte man - neben den üblichen Sehenswürdigkeiten (Vorsicht Touristenfallen!) – das legendäre Lebensmittel­departement La Grande Epicerie de Paris, 38 Rue Sèvres (linkes Seineufer) des Warenhauses Le Bon Marché besuchen (lagrandeepicerie.com). Mit über 5000 Produkten aus aller Welt bietet es die größte Feinkostauswahl in Paris. Auch der verwöhnteste Snob sollte dort etwas passendes finden. Das Geschäft hat auch an Sonntagen geöffnet. Und den besten Blick auf den Eiffelturm bietet das Restaurant Monsieur Bleu, 20 Ave. de New York (monsieurbleu.com).
Ein möglicher Reiseplan könnte wie folgt lauten: Mit Eurolines / Deinbus.de von Köln ab Sa. 22:30, Paris an So. 06:00 Uhr. Im Hotel Campanile am Busbf. Gallieni wird ab 06:30 Uhr Frühstück serviert. Wer sich rasieren lassen möchte, sollte den Barbier Nouvel Hair by Emmanuel in der 7 Rue Jourdin aufsuchen (Metro: Jourdin), der 24 Stunden an 7 Tagen die Woche geöffnet hat (Rasur ab €15). Rückfahrt: Paris ab So. 23:00, Köln an Mo. 05:15 Uhr.
Da man sich innerhalb von Paris kaum noch anders fortbewegen kann, muss auch ein Snob notge­drungen die Metro nehmen. Der Louvre hat zwei eigene Metrostationen und das Centre Pompidou liegt nahe bei der Station Rambuteau. Man sollte ein Metro-Tagesticket erwerben.
Wer aus Berlin anreist, könnte den wöchentlich Donnerstags verkehrenden Nachtzug aus Moskau via Berlin nach Paris nehmen, der den Gare de l'Est am Freitag um 09:33 Uhr erreicht. Die Rück­fahrt startet am Freitag Abend um 18:58 Uhr. In Berlin ist man dann am Samstag gegen sieben Uhr morgens. Nachteilig ist, dass der Eintritt in den Louvre oder in das Centre Georges Pompidou an Freitagen kostenpflichtig ist.

Dienstag, 18. September 2018

Beginn der Trüffelsaison

Schon in der Antike wurden Trüffeln gerne gegessen und seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gilt die Trüffel als exklusiver und gehobener Speisepilz. Wichtigster Produzent ist heute Frankreich. Der Trend geht zur Zucht von Trüffeln, da die natürlichen Bestände im Laufe der letzten 200 Jahre erheblich dezimiert worden sind. Die wichtigsten Arten sind die Schwarze Perigord-Trüffel, die Weiße Piemont-Trüffel und die Burgunder-Trüffel; des weiteren werden auch die sog. Sommer- und Wintertrüffeln verzehrt. Eine Portion Trüffeln für zwei Personen (ca. 20–25 Gramm) kostet etwa € 40–60; Sommer-Trüffeln sind in Umbrien frisch ab ca. € 20 Euro pro 100g zu bekommen. Die langfristige Lagerung von Trüffeln (in Gläsern oder Konservendosen) ist nur bei schwarzen Trüffeln möglich, wenn diese gründlich gereinigt und in ein luftdichtes Gefäß gegeben werden, das drei Stunden im Wasserbad sterilisiert wird. Dabei verlieren die Trüffeln jedoch Flüssigkeit und Aroma (Ausnahme: Die Schwarze Trüffel). Die Firma Caviar Tresor bietet eine ganze Schwarze Trüffel im Glas (30g) für € 11.95.
Für Privatkunden ist vor allem der Marché aux truffes d'hiver von Carpentras interessant, der jedes Jahr von Mitte November bis Ende März an Freitagen stattfindet (carpentras.fr). Etwa 10 Stände bieten dort Trüffeln an. Die Anzahl der Marktstände und der Typ der angebotenen Waren schwan­ken jedoch stark mit den Saisonen. In den Sommermonaten findet jeden Freitag der Marché aux truffes d'été in Carpentras statt (nächste Termine vom 10. Mai 2019 bis zum 31. August 2019). Auf diesem Markt sind meist weniger als zehn Trüffel-Stände anzutreffen.
In Italien wird im Oktober an den jeweils hintereinander liegenden Wochenenden immer Samstags und Sonntags in Alba im Palazzo Mostre e Congressi die Trüffelmesse Fiera Internazionale del Tartufo Bianco Alba veranstaltet (fieradeltartufo.org). Auf dieser Messe werden auch weitere regionale Kostbarkeiten wie Wein, Käse, Pasta und Backwaren angeboten. Die Produkte können im Palazzo probiert und verkostet werden, außerdem gibt es eine Show-Cooking-Veranstaltung und Kochwerkstätten. Kaufen kann man Trüffeln dann auch in vielen Geschäften in der Stadt.

Samstag, 15. September 2018

Die Nietzsche-Häuser in Naumburg (Saale) und Sils GR

Nietzsche mag wegen seiner Werke umstritten sein. Eines ist jedoch sicher: Er war ein Snob. Bereits mit 24 Jahren erhielt er nach seinem Studium in Bonn und Leipzig eine Professur in Basel, die er zehn Jahre später aus gesundheitlichen Gründen aufgab. Auf der Suche nach einem für ihn verträglichen Klima bereiste er Südfrankreich, Italien und die Schweiz, aber schon mit 45 holte ihn die Krankheit wieder ein, als er Anfang Januar 1889 in Turin einen geistigen Zusammenbruch erlitt. Nur zwei Jahre zuvor, 1887, hatte er noch innerhalb eines Jahres ganze fünf Bücher geschrieben! Seit 1890 lebte er wieder in Naumburg, zunächst in der Obhut seiner Mutter, dann in der seiner Schwester. Zehn Jahre später raffte ihn die Krankheit endgültig dahin: Der bedeutende Philosoph starb 1900 in Naumburg (Saale) in geistiger Umnachtung. Seinen spät einsetzenden Erfolg hat er nicht mehr erlebt.
Das Nietzsche-Haus (www.mv-naumburg.de/nietzschehaus) in Naumburg an der Saale, Weingarten 18, in welchem der Philosoph den Großteil seiner Jugend und die letzten Jahre seines Lebens ver­bracht hat, war zwischen 1858 und 1897 das Wohnhaus Franziska Nietzsches, die 1850 mit Ihren beiden Kindern Friedrich und Elisabeth nach Naumburg zog, nachdem ihr Mann, der Röckener Pastor Karl Ludwig Nietzsche im Jahr zuvor gestorben war. Auch für Sohn Friedrich blieb das Naumburger Mutterhaus immer ein Lebensmittelpunkt. In einer Dauerausstellung wird sein Leben und Werk dokumentiert, während die in den Ausstellungsräumen aufgestellte Hausbibliothek dem Besucher Gelegenheit gibt sich mit seinem Werk bekannt zu machen. Geöffnet ist das Haus Dienstag bis Freitag 14:00-17:00 Uhr und Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10:00-17:00 Uhr; der Eintritt beträgt €4. Vom Hauptbahnhof kommend, erreicht man das Nietzsche-Haus mit der Straßenbahn (naumburger-strassenbahn.de), Haltestelle Vogelwiese.
Ein weiteres Nietzsche Haus (www.nietzschehaus.ch) existiert im bündnerischen Sils, unweit von St. Moritz. Anfang Juli 1881 kam Friedrich Nietzsche das erste Mal nach Sils, wo er im Hause der Familie Durisch (heutiges Nietzsche-Haus) ein Zimmer im 1. Stock zur Untermiete bewohnte. Von 1883 bis 1888 kehrte er immer wieder hierher zurück. Er hatte hier einen Ort gefunden, der ihm Ruhe und Konzentration ermöglichte, eine Landschaft, die ihm - wie er selbst sagte – „blutsver­wandt“ war. Hier arbeitete er während der sieben Sommeraufenthalte zahlreiche seiner Werke aus. Am Ufer des Silvaplanasees kann überdies der Stein besichtigt werden, der Nietzsche nach eigenen Angaben 1881 zur Grundkonzeption des Zarathustra angeregt haben soll. Am Stein befindet sich eine Gedenktafel.
1960 wurde das bis dahin in Privatbesitz befindliche Haus durch die Stiftung Nietzsche-Haus in Sils erworben, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Haus informiert eine umfangreiche Ausstellung über Leben und Werk des Philosophen. Es gibt auch eine Bibliothek mit etwa 4000 Bänden. Das eigentliche Nietzsche-Zimmer im 1. Stock ist jedoch in seinem schlichten Original­zustand erhalten. Das Museum ist in der Sommersaison (von Mitte Juni bis Mitte Oktober) und in der Wintersaison (von Ende Dezember bis Mitte April) jeweils von Dienstag bis Sonntag, 15:00 - 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt SFr. 8 für Erwachsene. Jeden Mittwoch findet von 11:00 - 12:45 Uhr eine Führung statt (SFr. 16, Eintritt inbegriffen).
Außerdem besteht die Möglichkeit im Haus zu übernachten: Es gibt vier Doppelzimmer und eine Souterrain-Wohnung. Der Mindestaufenthalt liegt bei drei Nächten zu einem Preis ab etwa SFr. 70 pro Person (Internetzugang pauschal einmalig SFr. 9). Verpflegung gibt es keine, aber die Küchen­benutzung ist im Preis inbegriffen. Ihre Zimmer müssen die Gäste selbst reinigen.
Im übrigen existiert eine Nietzsche-Gedenkstätte (www.nietzsche-gedenkstaette.de) in Nietzsches Geburtsort und Grablege Röcken, die allerdings nur nach Voranmeldung geöffnet wird. In Schul­pforta bei Naumburg wird einmal jährlich eine sog. Nietzsche-Werkstatt veranstaltet. Einzelheiten dazu gibt es unter www.nietzsche-gesellschaft.de.

Freitag, 14. September 2018

Die RHS Shows im Herbst

Im Herbst sind Gartenschauen verständlicherweise rar. Jedoch veranstaltet die Royal Horticultural Society spezielle Herbstschauen u.a. in Malvern und in der Londoner Lindley Hall, außerdem eine Koniferenschau im Schaugarten Wisley bei Woking (rhs.org.uk). Für die meisten Schauen wird Eintritt genommen (ca. £ 5-9), lediglich die Harvest Show am 2. und 3. Oktober in der Londoner Lindley Hall kann kostenlos besucht werden. Für diejenigen, die keinen Garten haben, sei die Urban Garden Show am 27. und 28. Oktober empfohlen. Diese Ausstellung versteht sich u.a. als Ideenlieferant für alle, die nur Platz für einige wenige Pflanzen haben.

Mittwoch, 12. September 2018

Groß Schwansee an der Ostsee

Der Herbst ist keine schlechte Zeit, um ein paar ruhige Tage an der Ostsee zu verbringen. Der Touristensturm ist vorbei und man hat die Küste fast für sich alleine, vor allem, wenn man einen eher unbekannten Ort aufsucht, wie Groß Schwansee. Zur Gemeinde Kalkhorst gehörig, liegt das vom Schlosshotel Schwansee (schwansee.de) dominierte und auf den Tourismus ausgerichtete Dorf nur wenige hundert Meter von der Ostsee entfernt; bietet jedoch auch Unterkünfte für den Budget-Geldbeutel. Selbst die Ferienhäuser im Ferienpark Blaue Wiek (ostseepark-blaue-wiek.de) sind einen Blick wert. Leider ist die Gastronomie eher dürftig ausgeprägt. Dafür gibt es etwas abseits des Hauptstrandes einen Hundestrand. Eine Kurtaxe wird derzeit nicht erhoben. Picknickbänke und einfache Sitzbänke finden sich entlang des Küstenradweges und an den sog. Strandzugängen. Oberhalb der Klippe am Brooker Wald gibt es eine Picknickbank mit Meerblick.
Zur Anreise nimmt man ab Lübeck Hbf. den Bus 390 bis Dassow oder Kalkhorst und dann den Bus 321 bis Groß Schwansee. Mit dem Auto kommt man am besten über die A20 bis Ausfahrt Schön­berg und weiter über die B104 bis zum Ort Schönberg, wo man weiter in Richtung Dassow und Kalkhorst fährt. Von dort sind es nur wenige Kilometer bis Groß Schwansee. Da die Einkaufs­möglichkeiten am Ort eingeschränkt sind, sollte man erwägen ein Proviantpaket ins Quartier liefern zu lassen (leider keine Paketshops am Ort).

Nachtrag: Einen Besuch wert ist der Garten Dunkelmann.

Sonntag, 9. September 2018

Ideal im Herbst: Citytour Charleroi

Gemäß einer Umfrage der niederländischen Tageszeitung De Volkskrant gilt das wallonische Charleroi als die hässlichste und trostloseste Stadt überhaupt: Unter fünf Kandidaten wurde sie zur »hässlichsten Stadt der Welt« gekürt. Warum also dort nicht einmal eine (inoffizielle) Stadtführung des belgischen Aktionskünstlers Nicolas Buissart mitmachen? Der Herbst ist genau die richtige Jahreszeit dafür, denn das fallende Herbstlaub, die Rufe der Krähen und der kalte Wind sorgen für die richtige Stimmung.
Unter www.charleroiadventure.com kann man eine sog. City Safari buchen, die den Gast zu den Höhepunkten der postindustriellen Tristesse führt, u.a. in die Route de Mons (die deprimierendste Strasse Belgiens), auf einen Kohleabfallberg (mit Aussicht und bei gutem Wetter mit Picknick), in die verlassene Ruine einer Metallfabrik („Symphonie in Rost“) und an den Ort, wo sich die Mutter des Malers René Magritte nachts im Fluss Sambre ertränkt hat. Beliebt ist außerdem die Besichtigung einer nie in Betrieb gewesenen, halbfertigen Stadtbahnstrecke die langsam vor sich hin modert und auf Wunsch fährt man auch am Haus des Vergewaltigers und Serienkillers Marc Dutroux vorbei. Eventuell sollte man mit dem eigenen Auto anreisen, sodass die Tour nicht mit einem gemieteten Fahrzeug durchgeführt werden muss. Tourtag ist gewöhnlich Sonntag, weil dann das Parken gratis ist. Ein Gastronomietipp: Unbedingt besuchen sollte man weiterhin die seit 1952 bestehende Friterie Robert La Frite in der Rue du Grand Central, direkt am Bahnhof (www.robertlafrite.be).
Die Stadtverwaltung sieht diese Touren gar nicht gerne, denn schließlich möchte man ein positives Bild der ehemaligen Industriestadt vermitteln. Dabei hat sich Charleroi vom Niedergang der Stahlindustrie nie erholt. Die alten Fabriken rosten vor sich hin, ein Viertel der Bevölkerung ist arbeitslos, das Straßenbild ist von Drogenhandel und Gewalt geprägt und die Politik taumelt von einem Korruptionsfall in den nächsten.
Anreise: Mit dem Auto über die A4 via Aachen nach Lüttich (belg. A3, dann A15) und weiter nach Charleroi. Mit der Bahn geht es ab/via Köln.

Freitag, 7. September 2018

Urlaub im Kloster

Es war vor ein paar Jahren eine Modewelle, die inzwischen glücklicherweise abgeebbt und damit für Snobs wieder interessant ist: Urlaub im Kloster. Immer noch gibt es genügend geistliche Orden, die ihre Pforten gerne für Besucher öffnen, wie es eine (wenig snobistische) Regel des Hl. Benedikt fordert: "Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus". Viele Ordens­häuser haben daraus ein geradezu einträgliches Geschäft gemacht (dass man jemanden umsonst aufnehmen soll, hat Benedikt schließlich nicht gesagt) und bieten Ferienwohnungen und Tagungs­räume an, wobei letztere vor allem für christliche Tagungen und Treffen gedacht sind. Es gibt aber auch einige, wenige Klöster, in denen der Aufenthalt „kostenlos“ ist, d.h. es wird kein offizieller Betrag in Rechnung gestellt, jedoch wird eine Spende erwartet, welche die Kosten des Aufenthaltes abdeckt. In diese Kategorie fallen die Karmelitinnen von Auderath in der Eifel (Anmeldungen unter karmel_auderath@gmx.de), die Schwestern von Bethlehem in Waldkappel im osthessischen Berg­land (deutsch.bethleem.org; Telefon: 05656/923931) und die Franziskaner in Wangen im Allgäu (franziskaner-wangen.de). Weitere Infos über (mehrheitlich kostenpflichtige) Aufenthalte in Klöstern bietet die Webseite www.orden.de/ordensleben/atem-holen/. Für Angebote in Österreich schaue man auf die Webseite kloesterreich.at.