Montag, 23. Juli 2018

Das Käsemesser von Victorinox

Große Klinge mit Wellenschliff, Käseklinge und Korkenzieher – das sind die wesentlichen Bestandteile des Käsemessers 0.8303.W des bekannten schweizerischen Messerherstellers (Pinzette und Zahnstocher hat es aber auch). Die große Klinge ist lang genug, um damit Brot oder Wurst zu schneiden. Der Korkenzieher kommt zum Einsatz, wenn Wein statt Schaumwein als Getränk bereit steht. Leider fehlen ein Champagnerhaken für Schaumweinflaschen und ein Flaschenöffner für Kronenkorken. Wenn dann noch die beiden Messerklingen gegenüber angeordnet wären, so, dass man die große Klinge benutzen könnte ohne das Käsemesser einklappen zu müssen und somit den Innenbereich zu verschmutzen, hätte man ein perfektes Picknickmesser.
Hin und wieder findet man im Netz klappbare Käsemesser im Laguiole-Stil, die aber nur eine entsprechende Klinge mit nach oben gebogener Doppelspitze besitzen. Auf eine Standard-Klinge, Korkenzieher oder gar Pinzette und Zahnstocher muss man verzichten. Manche dieser Messer sind aber durchaus brauchbar und können eventuell eine alternative Wahl zum Victorinox-Käsemesser darstellen.

Samstag, 21. Juli 2018

Murano

Bis 1924 war Murano eine selbstständige Gemeinde und erscheint wie eine Miniaturausgabe der großen Schwester Venedig, die nur etwa einen Kilometer weiter südlich liegt. Eigentlich sind es sieben Einzelinseln, die durch acht Kanäle voneinander getrennt und durch elf Brücken miteinander verbunden sind. Auf ihnen leben ca. 4.700 Einwohner. Bekannt ist die Insel für ihre Glasfabriken, denn 1295 wurden alle Glasöfen aus der Stadt Venedig auf diese Insel verlagert, wohl um das Geheimnis der Glasherstellung besser bewahren zu können (offizielle Begründung: Brandschutz). Vor allem im 19. Jahrhundert erlebte die Glasherstellung auf Murano eine Renaissance und heute sind die Straßenzüge Muranos von zahlreichen Glasgeschäften gesäumt, die sowohl zeitgenössische Arbeiten venezianischer Glaskünstler als auch in Serienproduktion hergestellte Glasobjekte für Touristen vertreiben. Sehenswert sind weiterhin die Basilica di Santa Maria e San Donato, die Kirche San Pietro Martire, das ehemalige Kloster Santa Maria degli Angeli und der Palazzo da Mula. Es existieren einige Hotels, Restaurants, ein Supermarkt und andere Geschäfte des täglichen Bedarfs in Murano, sowie etliche Trinkwasserbrunnen. Dazu findet man mehrere Parkanlagen mit Picknickplätzen. Von Venedig aus verkehren zahlreiche Vaporetti dorthin, vor allem die Linien Nr. 3 und Nr. 4.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Venedig für Snobs

Fünfundzwanzig Millionen Besucher jährlich; der absolute Rekord! Damit ist Venedig wahrschein­lich das meistbesuchte Reiseziel in Europa. Pro Tag quälen sich folglich beinahe 70.000 Menschen durch die Lagunenstadt (einige Quellen sprechen von bis zu 130.000). Kein Wunder, dass die Einheimischen fast verzweifeln. Ein Snob sollte natürlich auch in Venedig gewesen sein, und zwar möglichst schon vor dem aktuellen Besucher­ansturm. Leider klappt das nicht immer. Folglich muss sich ein Snob mit der derzeitigen Situation arrangieren und das Beste daraus machen.
Das Geheimnis liegt darin sich von der Masse der Besucher abzusetzen und Zeitfenster zu nutzen, in denen der übliche Tourist nicht am Zuge ist, z.B. die Nachmittagsstunden, wenn die Kreuzfahrt­passagiere wieder auf ihren Schiffen sind und die ersten Tagesgäste vom Festland den Heimweg antreten. Dann schlägt die Stunde der Snobs.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Venedigs befinden sich am Markusplatz. Deshalb ist es dort auch am vollsten. Wenn es geht, sollte man nicht alle Attraktionen am selben Tag besuchen. Neben den offiziellen Webseiten der einzelnen Attraktionen, kann auch eine Buchung über tickitaly.com oder venetoinside.com (venetoinside.com/attraction-tickets-in-veneto/) hilfreich sein. Wer die venezianischen Museen besuchen will, sollte sich für den Museumspass interessieren (Infos unter visitmuve.it). Auf jeden Fall gesehen haben sollte man den Dogenpalast, die Basilika San Marco und den Campanile.

Dogenpalast
Die offizielle Webseite palazzoducale.visitmuve.it besuchen und dort Tickets (€20) für die zeitlich letzte Secret Itineraries Tour” am gewünschten Besuchstag bestellen. Am Besuchstag dann wenige Minuten vor dem Termin an der Warteschlange vorbei gehen und dem Ordner die Reservierung vorzeigen. Dieser weist einem den Weg durch eine Seitentür und ein Museumsführer führt den/die Besucher zu den „Geheimnissen“ des Dogenpalastes. Man besichtigt nun die Arbeitsräume des Dogen, ein paar alte Gefängniszellen (darunter die von Giacomo Casanova), die Folterkammer und eine alte Waffenkammer. Durch eine „Geheimtür“ geht es dann in den „öffentlichen“ Teil des Dogenpalastes. Den Rest des Palastes besichtigt man anschließend auf eigene Faust, inklusive der bekannten Seufzerbrücke.

Basilika San Marco
Die Kathedrale besucht man am Besten am Nachmittag, wenn die Touristenströme abgeflaut sind (basilicasanmarco.it). Der Eintritt ist generell kostenlos, allerdings ist die Warteschlange (auch am Nachmittag) lang und es kann sein, dass während eines Gottesdienstes keine Touristen hinein­gelassen werden. Wer nicht warten will, bucht unter venetoinside.com/attraction-tickets-in-veneto/tickets/skip-the-line-saint-marks-basilica/ für €3 die geführte “Skip the Line Tour”. Dafür darf man dann auch auf die Empore und den Außenbalkon.

Glockenturm San Marco (Campanile)
Vom 99 Meter hohen Campanile hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt und die Lagune von Venedig. Tickets erhält man am Turm für €8. Am besten, man kauft diese schon morgens, solange die Warteschlange noch kurz ist, legt den Besuch aber auf den frühen Nachmittag (ca. 15 Uhr), wenn die Sonne in einem günstigen Winkel auf die Stadt leuchtet (Wetterbericht beachten!). Auch hier könnte man eine “Skip the Line Tour” buchen (www.venetoinside.com/attraction-tickets-in-veneto/tickets/st-marks-bell-tower-skip-the-line-entry/), jedoch kostet ein Ticket dann €13.

Uhrturm San Marco
Der Uhrturm ist nur nach besonderer Voranmeldung via torreorologio.visitmuve.it oder an der Kasse des Museums Correr zugänglich. Ein Ticket kostet €12; damit kann man dann aber auch das Museum Correr, das Museo Archeologico Nazionale und die Biblioteca Marciana besuchen. Geboten werden dem Besucher des Uhrturmes eine exklusive, geführte Tour durch das Uhrwerk und die Aussicht auf den Markusplatz. Die meisten Touristen wissen übrigens nicht, dass eine solche Möglichkeit existiert.

Ein paar allgemeine Hinweise: Während des Aufenthaltes könnte man in Burano oder Torcello residieren und von dort mit dem Vaporetto (Nr. 12) in die Stadt fahren. Das ist überdies sehr stimmungsvoll. Wer lieber auf dem Festland wohnen möchte, kann die neue Straßenbahn von Mestre zum Bahnhof Santa Lucia (Hbf.) benutzen. Überall in der Stadt und auf den bewohnten Inseln existieren Trinkwasserbrunnen, an denen man seine mitgebrachte Wasserflasche auffüllen kann. Die wichtigste Einkaufsstraße Venedigs ist die Straße Piazza San Marco, welche die Fortsetzung des berühmten Markusplatzes bildet. Dort findet man praktisch alle bekannten Luxusmarken (Hermès, Gucci, Louis Vuitton, Prada etc.). Auf einer Brücke wird der Rio de S. Moise überquert und die Shopping-Meile setzt sich in der Calle Larga XXII Marzo fort. Auch ein Blick in die eine oder andere Seitenstraße kann sich lohnen. Wer ein typisch venezianisches Souvenir mitnehmen möchte, sollte sich die Geschäfte mit Murano-Glas vornehmen oder gleich selbst nach Murano hinüber fahren. Ab dem Fährterminal Fondamente Nove fahren mehrere Vaporetti-Linien nach Murano, ab Burano fährt die Linie 12. Übrigens passieren die Schiffe auf dem Weg nach Murano (ohne Halt) die Friedhofsinsel San Michele, auf welcher der Komponist Igor Stravinsky und der amerikanische Dichter Ezra Pound begraben liegen (auf die Friedhofsinsel gelangt man mit den Linien 4.1 und 4.2).

Mittwoch, 18. Juli 2018

DeinBus.de

Jeder kennt mittlerweile Flixbus, aber DeinBus.de ist nur noch Wenigen ein Begriff. Dabei ist die Firma ein Fernbuspionier erster Stunde und hat unter Ausnutzung diverser Gesetzeslücken schon Fahrten angeboten, als Fernbusse in der BRD noch verboten waren. Das heutige Liniennetz erstreckt sich dank zahlreicher Kooperationspartner von Amsterdam nach Berlin, von Berlin über Wien nach Budapest, von dort nach Stuttgart und weiter nach Paris. Angesteuert werden vornehmlich Großstädte, aber man findet auch ein paar Verbindungen zu Städten in Ferienregionen, z.B. München – Nizza (via Genua) oder Freiburg – Barcelona. Selbst ein Ticketkauf im Bus kurz vor Fahrtantritt ist möglich. Gepäck darf man auf einigen Linien ohne Begrenzung mitnehmen, solange es sich nicht um sperrige Güter handelt (z.B. Fahrräder, Musikinstrumente, Sportgeräte). Es gibt WLAN im Bus und ein buseigenes Filmangebot, das man auf seinem mitgebrachten Endgerät anschauen kann, außerdem Steckdosen, Zeitungen und Zeitschriften und (kostenpflichtige) Getränke. Da DeinBus.de weniger bekannt ist als der große Konkurrent Flixbus, kann man hoffen, dass das Publikum nicht gerade dem entspricht, was man sonst neuerdings in Fernbussen trifft. Es kommt halt auf einen Versuch an.

Dienstag, 17. Juli 2018

Torcello und Sant’Erasmo / Venezien

In der Lagune von Venedig gelegen und etwa 150m von der Nachbarinsel Burano entfernt, erscheint Torcello wie eine ländliche Ausgabe der Lagunenstadt. Nur 14 Einwohner hat die Insel heute, dabei waren es im 10. Jahrhundert etwa 15.000. Glas war damals das Hauptprodukt, aber auch Kämme, Knöpfe oder Nadeln wurden hier hergestellt. Als die Bewohner ab dem 12. Jahrhundert die Insel verließen, nahmen sie alles mit, was als Baumaterial nutzbar war, sodass die Stadt praktisch komplett abgetragen wurde. Sehenswert sind heute noch die Kathedrale Santa Maria Assunta (Eintritt €5), die Kirche Santa Fosca und zwei Palazzi aus dem 14. Jahrhundert. Für Besucher gibt es ein paar Restaurants, einige Privatunterkünfte (B&B) und ein Hotel. Erreicht wird die Insel mit den Vaporetti Nr. 12 oder Nr. 9.
Sant’Erasmo, die größte Insel in der Lagune von Venedig mit ca. 500 Einwohnern, lebt von der Landwirtschaft und dient vor allem der Versorgung der Stadt Venedig mit Gemüse. Prominentestes Bauwerk ist der „Torre Massimiliano“, ein alter Geschützturm in Ziegelbauweise aus der k.u.k.-Zeit Venedigs. In der Nähe befindet sich eine kleine Gastwirtschaft. Außerdem gibt es ein Hotel auf der Insel und einen Gemüseladen (Verkauf ab Hof). Nach Sant'Erasmo gelangt man mit den Vaporetti Nr. 13 oder Nr. 18. Auf einer nördlichen Nachbarinsel, Lazzaretto Nuovo, befindet sich ein ehemaliges Krankenhaus aus der Zeit der Pestepidemie von 1576 (erreichbar mit Vaporetto Nr. 13). Weiter östlich liegt die Insel San Francesco del Deserto mit einem Franziskanerkloster (nicht öffentlich zugänglich).

Montag, 16. Juli 2018

Handtücher für Snobs

Snobs lieben es ihre Umgebung dezent auf elitäre Bekannte oder Zirkel zu verweisen, in und mit denen sie verkehren. Was wäre dezenter als ein Handtuch im Badezimmer, dort, wo jeder Besucher es früher oder später findet? Natürlich kann man die Handtücher auch mit ins Thermalbad nehmen. Der British Shop (the-british-shop.de) in Meckenheim bietet derzeit zwei Handtücher „Royal Homes“ im Set an. Das eine Handtuch trägt die Aufschrift „Buckingham Palace“, das andere „Windsor Castle“. Wer mit seinen Besuchern weniger zartfühlend umgeht, kann natürlich auch das Handtuch „Santa Fu“ mit der Aufschrift „Strafvollzug“ ins Bad hängen. Dieses wird in der Justizvollzugsanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel hergestellt. Erhältlich ist es u.a. bei Amazon. Man muss ja niemandem sagen, dass man die Handtücher gekauft hat, sondern überläßt den Betrachtern selbst die Schlussfolgerungen. Im übrigen sei für Strandurlaube zwecks Belegung eines Liegestuhls oder Strandkorbs ein Handtuch mit dem Aufdruck „Reserviert“ empfohlen, bzw. „Reserved“ für den internationalen Gebrauch. Beide Motive sind ebenfalls u.a. bei Amazon erhältlich.

Sonntag, 15. Juli 2018

Burano / Venezien

Wem Venedig zu voll und zu laut ist (und bei welchem Snob ist das nicht der Fall), der sollte sich mal das 10km weiter nördlich gelegene Burano ansehen (isoladiburano.it). Der Ort besteht aus vier Inseln, die durch Kanäle voneinander getrennt und durch Brücken miteinander verbunden sind. Eine weitere Brücke führt auf die Nachbarinsel Mazzorbo. Typisch für Burano sind die vielen kleinen in jeweils einer zu den Nachbarhäusern kontrastierenden kräftigen Farbe gestrichenen Fischerhäuser. Die Legende erzählt, dass die Farbgebung der Häuser der Orientierung der Fischer diente, die bei Nebel oder nach durchzechter Nacht ihre Insel und ihr trautes Heim anhand der Farbe ausmachten. Die kuriose Farbenpracht zieht viele Maler und Fotografen an. Bekannt ist Burano seit dem 16. Jahrhundert für seine Spitzenstickerei, die auch heute noch in der 1872 gegründeten Scuola di Merletti gepflegt wird. Sehenswert sind weiterhin das Denkmal für den Komponisten Baldassare Galuppi, der aus Burano stammt, und der Campanile der Kirche San Martino.
Zur Anreise nutze man den Nachtzug München – Venedig. Vom Bahnhof fahre man mit einem Vaporetto zur Haltestelle Fondamente Nove und steige dort um in den Vaporetto Nr. 12 (Terminal D) nach Burano. Die Anreise mit dem Auto erfolgt via Jesolo bis Cavallino-Treporti (cavallino.info); dort den Wagen abstellen (ev. gebührenpflichtig) und mit dem Vaporetto Nr. 12 oder Nr. 14 nach Burano fahren. Für die Reise nach Italien könnte man einen der Autozüge nach Verona (ca. 170km) oder Villach (ca. 250km) nehmen.

Exkurs: Was man bei Restaurantbesuchen in Italien wissen sollte
In Italien existiert keine Trinkgeldkultur, d.h. Trinkgeld geben ist nicht üblich, auch nicht die Rechnung aufzurunden (kann einem Snob nur recht sein). Gruppen erhalten prinzipiell eine Rechnung für den ganzen Tisch (eigene Rechnungen für jede Person sind unbekannt). Cappuccino nur vormittags bestellen! Nachmittags trinkt man i.d.R. Kaffee ohne Milch, höchstens aber einen Caffè Latte. Zu Abend gegessen wird erst ab etwa 21 Uhr. Wer also nach guter alter Gewohnheit gegen 19 Uhr zu Abend essen möchte, muss damit rechnen, schräg angesehen zu werden. Beim Essen von Pasta keinen Löffel benutzen – gilt als unschicklich. "Spaghetti Bolognese" ist kein italienisches Gericht! Die Kasse neben dem Eingang in vielen Eisdielen und Bars ist ein sicheres Zeichen dafür, dass man vor der Bestellung bezahlt und erst danach mit dem Kassenzettel bestellt, was man schon gezahlt hat. Und in Gesprächen mit Italienern die Themen Politik und Mafia vermeiden. Ein Snob sollte diese Dinge wissen; ob er (oder sie) sich daran hält, ist natürlich eine andere Frage. Nebenbei bemerkt finden sich in italienischen Ortschaften häufig Trinkbrunnen, an denen man seine Wasserflasche auffüllen kann.

Nachtrag: Mazzorbo  
Die Insel ist mit der Nachbarinsel Burano über eine Brücke verbunden. Mazzorbo ist ländlich geprägt und lebt teilweise vom Gemüseanbau. Viele Berufstätige der etwa 300 Einwohner pendeln jedoch nach Venedig oder Murano. Neben einigen Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert ist die Kirche Santa Caterina aus dem 14. Jahrhundert erwähnenswert, in deren Campanile die älteste Glocke der Lagune (1318) hängt. Hotels oder Mietzimmer gibt es auf Mazzorbo nicht, lediglich einige Restaurants und einen kleinen Supermarkt.