Dienstag, 31. Juli 2018

Messer für den Snob von Welt: Laguiole

Unter dem Begriff „Laguiole“ werden traditionsreiche, französische Taschenmesser zusammen­gefasst, die entweder in der Ortschaft Laguiole (zwischen Toulouse und Clermont-Ferrand) oder in der ca. 170km entfernten Stadt Thiers (östlich von Clermont-Ferrand) hergestellt werden. Außerdem gibt es zahlreiche Nachahmerprodukte aus Asien, da der Name „Laguiole“ nicht geschützt ist. Eine Biene oder Fliege auf dem Messerrücken ist das Erkennungszeichen, außerdem die individuelle Verzierung des Federrückens und der Klinge mit eingeschliffenen Kerben sowie ein Kreuz, das durch Nägel gebildet wird, die um den mittleren Niet ins Heft eingeschlagen sind. Das geschwungene Design mit der sich ergonomisch verjüngenden, nach unten gezogenen (und meist metallbeschlagenen) Griffendspitze stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist seither im Wesentlichen nicht verändert worden, denn besser geht es eigentlich nicht mehr (es gibt aber auch andere Designformen die unter dem Namen „Laguiole“ firmieren). Die renommiertesten Messerschmieden sind Laguiole en Aubrac, Forge de Laguiole, Fontenille Pataud und La Coutellerie de Laguiole Honoré Durand; es existieren aber noch etwa 130 weitere. Ursprünglich wurde das Messer von Schafhirten eingesetzt, aber mittlerweile ist es zu einem „Gentleman-Taschenmesser“ avanciert. Dennoch hat dieser Messertyp ein rustikales Flair und eignet sich damit vorzüglich für ein Snob-Picknick. Laguiole-Messer findet man im wesentlichen in der Standardversion mit einer ca. 10cm langen Bowie-Klinge (ideal zum Brotschneiden). Es gibt aber auch Ausführungen mit Korkenzieher und/oder Dorn, als Einhandmesser und in anderen Größen (leider nicht mit Champagnerhaken). Bei den Griffmaterialien kommen verschiedene Holzarten und Tierhorn, gelegentlich aber auch moderne Kunststoffe zur Anwendung. Im Netz findet sich hin und wieder sogar ein Modell mit einem türkisfarbenen Griff, der farblich sehr gut zu den Picknick-Utensilien von Fortnum & Mason in Eau de Nil passt. Natürlich kann man wegen eines Laguiole-Messers nicht auf das Westfälische Adelsmesser (das mit dem Champagnerhaken) verzichten, aber es bildet eine gute Ergänzung. Ein Laguiole soll man übrigens nicht zuschnappen lassen, da die Klinge dann auf der Innenseite der Feder aufschlägt, sondern langsam schließen. Oder wie der Franzose sagt: „Ressort silencieux vivra vieux“.

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