Mittwoch, 27. Februar 2019

Das Saarland (für Snobs?)

Es ist keine Region die viele Touristen anzieht. Es gibt zwar ein Thermalbad, aber sonst eher wenig was touristisch interessant wäre. Aber vielleicht ist es genau das, was den Reiz des Saarlandes aus­macht.
In der Gemeinde Kleinblittersdorf, am Rande der Ortschaft Rilchingen-Hanweiler befindet sich die (recht teure) Saarland Therme (Tageskarte €30; saarland-therme.de). Der Bahnhof Hanweiler (Gr) liegt etwa einen Kilometer entfernt. Das heutige Thermalbad, mit Sauna und Wellness-Bereich, wurde 2012 eröffnet, auch wenn die Quelle schon seit 1841 für medizinische Zwecke genutzt wird. Ob eine Kurtaxe erhoben wird, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich.
Der Idee eines Kurortes am nächsten kommt Weiskirchen im sog. „Schwarzwälder Hochwald“; seines Zeichens „Heilklimatischer Kurort“, also ein besserer Luftkurort (Kurabgabe €1.40; weiskirchen.de). Außerdem werden Kneipp-Behandlungen angeboten. Ein Hallenbad gibt es auch (vitalis-weiskirchen.de). Fast die Hälfte des mit etwa 6500 Einwohnern bevölkerten Gemeinde­gebietes ist bewaldet. Durch das Gemeindegebiet führen der Saarland-Rundwanderweg und der Saar-Hunsrück-Steig, außerdem gibt es einen Wildpark mit Hochseilgarten. Im Ort existieren ein paar sehenswerte, historische Gebäude, darunter mehrere Sakralbauten (saarschleifenland.de).
Der heilklimatische Kurort Orscholz im westlichen Saarland gehört zur Gemeinde Mettlach, aller­dings spielt sich der Kurbetrieb vorwiegend in der örtlichen Reha-Klinik ab (Kurabgabe €1.80). Bekannt ist der Ort vornehmlich für den Aussichtspunkt Cloef mit seinem unverwechselbaren Blick auf die Saarschleife. In der Nähe gibt es einen Baumwipfelpfad. Der Lidl an der Straße nach Weiten besitzt einen Heißgetränkeautomaten.
Etwa 20 Kilometer südöstlich von Orscholz existiert auf dem Gebiet des Merziger Stadtteils Biet­zen eine öffentlich zugängliche Heilquelle, direkt am Saarufer und an der L174, wenige hundert Meter entfernt vom Bahnhaltepunkt Fremersdorf.
Der heilklimatische Kurort Nonnweiler liegt im äußersten Norden des Saarlandes nur rund 30km von Trier entfernt (Kurabgabe nicht bekannt). Namhaft ist hier vor allem die Primstalsperre, die jedoch nur als Trinkwasserreservoir dient und nicht für den Wassersport genutzt wird. Ganz in der Nähe liegt der 695 Meter hohe Dollberg, der höchste Berg des Saarlandes. Bei Nonnweiler gibt es am Peterberg außerdem ein Freizeitzentrum mit einer Sommerrodelbahn. Durch das Gemeinde­gebiet führen der Saarland-Rundwanderweg und der Saar-Hunsrück-Steig. Im Ort selbst findet man diverse historische Gebäude, darunter im Ortsteil Braunshausen Gebäude aus der Frühzeit der Industrialisierung.
Nicht weit von Nonnweiler befindet sich der Bostalsee; ein Stausee der vornehmlich touristischen Zwecken dient. Um den See herum führen ein 6,8km langer Wanderweg und ein 7,2km langer Radwanderweg. Das touristische Angebot des Freizeitzentrums mit Ferienpark beinhaltet Camping, Segeln, Angeln, Surfen, Tretbootfahren, Schlittschuhlaufen, Beachvolleyball, ein Strandbad und ein Tropenbad. Südwestlich von Weiskirchen befindet sich mit dem Losheimer Stausee ein weiteres Freizeitareal. Umgeben ist der See von einem 4,1km langen Rundwanderweg und einem großen Freizeitzentrum mit Minigolfanlage, Bootshafen, Gastronomie und einem Strandbad, auf dessen Areal gelegentlich Open-Air-Konzerte stattfinden. Beide Seen sind leider nur wenig snobtauglich.
Mit dem Brennenden Berg, in der Nähe des Saarbrücker Stadtteils Dudweiler gelegen, hat das Saar­land jedoch eine Sehenswürdigkeit zu bieten, die man nur dort findet – auch wenn eigentlich gar nicht viel zu sehen ist. Nach der Überlieferung geriet rund 500 Meter nordnordwestlich der Berg­kuppe, in einer Art Klamm die durch den Abbau von Alaunschiefer entstanden war, in den 1660er Jahren ein offener Steinkohlenflöz in Brand. Über die Brandursache gibt es widersprüchliche Angaben. Selbst Johann Wolfgang von Goethe hat den Brennenden Berg im Jahre 1770 besucht und darüber geschrieben. Die Felsspalten mit Wärmeaustritt sind bis heute ein beliebtes Besucherziel, vor allem für Schulausflüge.
Erwähnenswert ist überdies noch der Weinbau an der Saar, auch wenn sich das wichtigste Weinbau­gebiet zwischen Serrig und Konz schon im Nachbarland Rheinland-Pfalz befindet. Der Weinbau im Saarland umfasste lange Zeit nur die Mosel bei Perl, wo auf Muschelkalkböden überwiegend die Rebsorte Elbling wächst. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Weinbautradition an der Saar­ländischen Saar wiederbelebt, mit ersten Weinbergen bei Saarfels und Merzig. Leider wird nur wenig Winzersekt produziert, was diesen allerdings recht exklusiv macht.
In das Saarland gelangt man von Norden kommend über die A1 via Trier oder von Osten über die A6 oder die A8/B10. Da die o.g. Ortschaften recht verstreut liegen, ist die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln schwierig. Leider sind nur die Orte Rilchingen-Hanweiler, Dudweiler, Perl und Fremersdorf mit der Eisenbahn erreichbar.

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