Montag, 6. Mai 2019

Snobistische Outdoor-Erfahrungen

Auch unter Snobs finden sich Freunde von Outdoor-Aktivitäten. Ein gewöhnlicher Campingplatz hat allerdings wenig Snob-Appeal. Es gibt jedoch eine ungewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit, die meist noch dazu mitten im Wald liegt: Die Übernachtung in einer Schutzhütte für Wanderer und Spaziergänger. Die Rede ist hierbei nicht von den teilweise bewirtschafteten Schutzhütten wie es sie im Hochgebirge gibt, sondern von einfachen Holzhäusern mit einer Sitzbank darin, wie sie in den Wanderregionen der deutschen Mittelgebirge üblich sind. Man findet sie oft mitten im Wald gele­gen, seltener auch in Ortsnähe. Gedacht sind sie für Wanderer die vom Regen überrascht werden, weshalb sie auch in den gängigen Wanderkarten eingezeichnet sind. Für Übernachtungen sind sie nicht vorgesehen, aber schließlich kann es doch sein, dass man von der Dunkelheit überrascht wird. Wie praktisch, wenn man dann zufällig seinen Schlafsack dabei hat.
Bei dieser Art von Tour ist gute Planung wichtig. Unbedingt sollte man eine detaillierte Wander­karte der Gegend studieren und den Übernachtungsplatz vorab auswählen. Für den Fall, dass die Hütte unbewohnbar ist, sollte man auch alternative Übernachtungsplätze ins Auge fassen, z.B. be­nachbarte Schutzhütten. Ob man eine traditionelle Wanderkarte aus Papier oder eine elektronische Karte auf dem Handy etc. verwendet, ist Ansichtssache. Die Papier-Karte hat jedoch den Vorteil, dass sie ohne Strom auskommt und eine größere Übersicht bietet.
Als Ausrüstung sei zunächst das Übliche empfohlen: Schlafsack, Isomatte, Kissen und für den Frühstückskaffee ein kleiner Kocher und Geschirr. Wasser, Kaffeepulver und die weiteren Früh­stückszutaten muss man notwendigerweise dabeihaben. Geschäfte findet man (nicht immer!) an den Start- und Zielorten, allerdings sind die Einkaufsmöglichkeiten in kleineren Orten natürlich nicht mit denen in der Stadt zu vergleichen, vor allem was die Öffnungszeiten betrifft. Insbesondere Bäckereien haben auf dem Lande oft nur vormittags geöffnet. Es ist also besser Proviant und Hygieneartikel (auch Toilettenpapier!) schon von zu Hause mitzubringen. Und auf keinen Fall darf man die Wanderkarte vergessen!
Bedingt durch die Besonderheit des Übernachtungsplatzes sollte man Vorkehrungen treffen, um des nachts nicht von ungebetenen Gästen überrascht zu werden. Es ist zum Beispiel kein Fehler einen Hund dabei zu haben, der nächtliche Besucher entsprechend ankündigt. Sollte man keinen Hund mitnehmen können, könnte man vielleicht einen Infrarot-Bewegungsmelder mit Alarmton in der Hütte aufstellen und damit den Eingang sichern. Eine Taschenlampe sollte man ebenso griffbereit haben wie eine Dose Pfefferspray. Mit Überfällen muss man nachts im Wald nicht rechnen, denn Diebe treiben sich gewöhnlich nur in der Nähe menschlicher Behausungen herum, aber auch ein neugieriges Wildschwein kann die Nachtruhe erheblich stören. Im ungünstigsten Fall begegnet man einem Förster. Dann aber wird selbst Pfefferspray wenig nützen.
Die folgenden Tourenvorschläge in der Eifel mögen als Beispiel und Anregung dienen (Wander­karten kann man auf der Webseite eifelverein.de bestellen). Ähnliche Touren sind natürlich auch in anderen Wandergebieten möglich.
1. Blankenheim – Adenau, ca. 31 km. Die Tour nimmt am Bahnhof Blankenheim-Wald ihren An­fang. (Einkaufsmöglichkeiten in Blankenheim; Eifelmuseum). Eine erste Übernachtungsmöglich­keit gibt es am Freilinger See (Einkehrmöglichkeiten in Reetz und Lommersdorf), eine einsamere im Lommersdorfer Wald, wobei man dort allerdings den Hauptweg verlassen und etwa einen Kilometer entlang des Aulbaches nach Norden gehen muss. Von dieser Hütte geht es dann aber direkt nach Aremberg (Einkehrmöglichkeit) und damit zurück auf den Hauptwanderweg via Antweiler (Einkehrmöglichkeit) nach Adenau (Bus nach Ahrbrück Bahn nach Remagen-Bonn).
2. Schmidtheim – Losheim, ca. 15 km. Die Wanderung beginnt am Bahnhof Schmidtheim (Bäckerei und Getränkemarkt im Ort) und führt zunächst über nicht gekennzeichnete Wege in den Wald in Richtung Simmelerhof (Rastplatz) und weiter nach Berk (Bäckerei im Ort, ev. aber nur vormittags geöffnet). Zwischen Krombach und Dermbach führt ein Wirtschaftsweg über den Höhenrücken auf den Lewertsberg, der dort in einen Wanderpfad mündet welcher auf der anderen Seite in das Lewerttal hinabführt. Die erste Schutzhütte befindet sich am Parkplatz; besser man nimmt die zweite, die oberhalb des Füllenbaches an einem mit A2 markierten Wanderweg liegt. In westlicher Rich­tung wird am nächsten Tag dann die Kreisstraße überquert und auf einem markierten Wanderweg das Forsthaus Losheim erreicht. Etwa einen Kilometer südöstlich von Losheim liegt der Ardenner Grenzmarkt mit Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Heimwärts geht es von dort mit dem Ruftaxi (Fahrtanmeldung mindestens 30 min. vorher unter 0180 6131313 oder 02441 99454545) via Hellenthal nach Kall (Bahnhof; vrsinfo.de).
3. (Heimbach –) Rurberg – Kall, ca. 20 km. Nach Heimbach (Einkaufsmöglichkeiten) gelangt man mit der Rurtalbahn ab Düren. Vom Heimbacher Bahnhof gibt es Busverbindungen und im Sommer einen Wegebahn-Zubringer zum Schiffsanleger Schwammenauel (nationalpark-eifel.de). Ab dort geht es mit dem Fahrgastschiff (mit Bordrestaurant; rurseeschifffahrt.de) zur Haltestelle Kermeter (ca. 25min.) oder nach Rurberg (ca. 45min.; Bäckerei im Ort). Ab Rurberg läuft man dem Haupt­wanderweg folgend erst südlich, dann östlich über eine Brücke in den Kermeter hinein. Vom Schiffsanleger Kermeter führt der Weg zunächst leicht bergauf bis zum Hauptwanderweg, der dem Bergsattel bis zum Haus Kermeter folgt. Auf dem Weg dorthin gibt es bereits diverse Schutzhütten und Rastplätze. Ab Haus Kermeter kann und sollte man einen Abstecher zum Kloster Mariawald einschieben (Einkehrmöglichkeit und Klosterladen; kloster-mariawald.de). Zurück auf dem Haupt­wanderweg geht es weiter über Wolfgarten (Einkehrmöglichkeit) zur Kohlweghütte oder zum Ber­nersknipp (Schutzhütte mit Aussicht), abhängig davon, ob man Gemünd (Einkaufsmöglichkeiten) besuchen will oder nicht (Hermes Paketshop an der Araltankstelle und Post mit Paketempfang in der Aachenerstr. 8). Der erstere Weg ist der einsamere, dafür gibt es aber südlich von Gemünd zwei weitere Schutzhütten. Am Maueler Berg zweigt der Weg jedoch nach Osten in Richtung Mecher­nich ab und der Wanderer sollte nun dem anderen, unmarkierten Weg über Voißel nach Kall folgen. Der andere Weg führt ab Gemünd ebenfalls nach Kall, von wo man mit der Bahn heimreisen kann.
4. Wer die Übernachtung in einer Schutzhütte nicht mit einer ausgedehnten Wanderung verknüpfen will, dem sei der Bad Neuenahrer Stadtwald rund um die Fürstenberg Höhe, südlich des an der Ahr gelegenen Kurortes Bad Neuenahr empfohlen. Dort gibt es eine ganze Reihe von Schutzhütten auf relativ engem Raum, sodass es einerseits problemlos möglich ist etwas passendes zu finden, man andererseits aber keinen allzu weiten Weg von der Stadt und vom Bahn­hof zurücklegen muss, auch wenn der Weg in den Wald mit einem leichten Aufstieg verbunden ist. Das Übernachtungserlebnis dürfte mit dem der Wandertouren identisch sein. Auf eine Wanderkarte zur Orientierung sollte man aber nicht verzichten. Um den Picknickkorb aufzufüllen, empfehlen sich die Feinkostgeschäfte Schmickler in der Telegraphenstraße und Krause in der Jesuitenstraße. Wenn man schon mal am Ort ist, könnte man natürlich auch noch kurz in die Ahr Thermen (zum Bademantel-Brunch) gehen.

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