Donnerstag, 30. Mai 2019

London

In der Weltstadt an der Themse wurde der Snobismus praktisch erfunden. Wer seinen Aufenthalt in London interessant und brieftaschenfreundlich gestalten will, dem sei die Webseite vom Timeout Guide empfohlen (timeout.com). In der Rubrik „Things to do“ gibt es den Menüpunkt „Cheap London”, unter welchem kostenlose Aktivitäten angepriesen werden. Weiterhin gibt es eine Liste mit preiswerten Restaurants und eine mit unbekannten Parks. Die Londoner Sehenswürdigkeiten erschließen sich am besten aus einem der bekannten Doppeldeckerbusse, insbesondere auf den Linien 9 und 15. Für Besucher empfehlen sich die Day Travelcard und die 7 Day Travelcard.
Es gibt eine Fülle von Restaurants in London in allen Qualitätsstufen und Preislagen. Man sollte jedoch sicherheitshalber davon Abstand nehmen die britische Küche zu probieren; als Ausnahmen können bestenfalls Fish & Chips, der Afternoon Tea und das englische Frühstück gelten; aber auch nur, wenn sie gut zubereitet sind. Ein Restaurant sei besonders hervorgehoben: Chutneys Indian Restaurant, 124 Drummond Street, NW1, vegetarische Küche ab £3.50 - £5, Mittagsbuffet! U-Bahn bis Warren St. oder Bus 14 ab South Kensington, Bus 24 ab Leicester Square. Wer vornehm speisen möchte ohne viel Geld auszugeben, der kann die Vincent Rooms (thevincentrooms.co.uk) neben dem Westminster Kingsway College, Vincent Square in Pimlico besuchen (ab Victoria u.a. Bus 507; westking.ac.uk). In diesem Lokal trainiert der Nachwuchs der gehobenen Gastronomie aus dem benachbarten College und bietet ein gehobenes Niveau zu vergleichsweise günstigen Preisen. Eine der besten Londoner Fish & Chips Lokale ist The Seashell of Lisson Grove in 49-51 Lisson Grove NW1, neben dem Bahnhof Marylebone (seashellrestaurant.co.uk).
Zum Afternoon Tea lädt regelmäßig das Grosvenor House Hotel in Mayfair, Park Lane, gegenüber vom Hyde Park (u.a. Bus 74 bis Dorchester Hotel). Die billigste Variante mit derzeit knapp £20 pro Person ist der sog. West Country Cream Tea (Mo.-Fr.): Englisches Buttermilchgebäck mit und ohne Rosinen, Erdbeermarmelade, Honig und Sahne, und natürlich Tee nach Wahl. Zwar kann man das Vergnügen an anderen Orten Londons preisgünstiger haben, allerdings ist dann die Umgebung weniger vornehm. Tickets (auch von anderen Anbietern) gibt es u.a. bei londontheatre.entstix.com.
Noch ein paar Bar-Tipps: Die Bar auf dem Dach des Trafalgar Hotels bietet (wetterabhängig) eine atemberaubende Aussicht über den gleichnamigen Platz (thetrafalgar.com). Eine weitere Bar mit (wetterabhängiger) Aussicht wäre die Radio Rooftop Bar, 336-337 The Strand WC2, auf dem Dach des ME London Hotels (ab Kensington Rd. die Buslinie 9 nach Aldwych; melia.com). Im Londoner City-Hochhaus Tower 42, Old Broad Street, EC2 befindet sich ganz oben in etwa 180 Metern Höhe die Champagner Bar Vertigo 42 (vertigo42.co.uk). Berauschend ist neben dem Champagner vor allem die Aussicht, was schon aus der Anordnung der Sitzmöbel hervorgeht, die praktisch alle auf die Fenster ausgerichtet sind. Dennoch sollte man auch einen Blick auf die Schaumwein- und Cock­tailauswahl werfen. Für den kleinen Hunger findet man einige tapas-ähnliche Gerichte. Platzreser­vierung ist obligatorisch, als Dresscode wird „Smart Casual“ gewünscht und der Mindestverzehr liegt bei £15 pro Person. Trotz dieser Einschränkungen stellt die Bar aber ein durchaus snobtaug­liches „Wasserloch“ (engl. watering hole) dar.
Wer sich mit einfachem Leitungswasser zufrieden gibt, der kann seine Wasserflasche an über 700 Stellen kostenlos auffüllen (erkennbar an dem Aufkleber mit einer blauen Trinkflasche). Diese Aktion soll den Plastikmüll reduzieren. Infos gibt es unter: refill.org.uk.
Nirgendwo sonst auf der Welt – nicht einmal in New York – findet man so viele Theater auf ver­gleichsweise engem Raum, wie in London. Informationen zu den laufenden Vorstellungen und Tickets gibt es unter londontheatre.co.uk oder an der entsprechenden Theaterkasse. Neben den üblichen Attraktionen sollte man als Snob auf jeden Fall das Museum für einen anderen Snob, Sherlock Holmes, 221b Baker Street besuchen (Eintritt derzeit £15, Bus 74). Wer will, kann an­schließend dem Wachsfigurenkabinett der Madame Tussaud seine Aufwartung machen; dieses liegt gleich um die Ecke und enthält auch die eine oder andere Wachsstatue eines Snobs (Eintritt derzeit £26; auf jeden Fall Karten vorbestellen unter madame tussauds.com). Übrigens ist bei vielen Londoner Museen der Eintritt frei, bei diesen beiden bedauerlicherweise jedoch nicht.
Weiterhin zu empfehlen ist der Jack-the-Ripper-Rundgang durch Whitechapel, auch wenn sich die Gegend in den letzten 120 Jahren sehr verändert hat und die Schauplätze kaum wiederzuerkennen sind. Die Morde aus dem Jahr 1888 sind bis heute ungeklärt. Dass die Ermordeten zur gesellschaft­lichen Unterschicht gehörten, lässt vermuten, dass es sich bei dem/den Täter(n) um (einen) Snob(s) handelte. Karten für die geführte Tour kosten aktuell £10, die Tour startet am Traders Gate Souvenir Shop, 35 Tower Hill, EC3 (ab Trafalgar Square Buslinie 15, ab Covent Garden Linie RV1, vom Themse-Südufer Linie 100). Die Karten für die Jack-the-Ripper-Tour (und auch für Madame Tussaud’s) können auf der Webseite londontheatre.entstix.com gebucht werden. Seit kurzem gibt es auch ein Museum, dass Jack the Ripper gewidmet ist (jacktherippermuseum.com).
Einen Designerpreis wird das Bürogebäude 20 Fenchurch Street (östlich der City of London) sicher nicht gewinnen, aber in der obersten Etage, in rund 160 Metern Höhe, befindet sich der höchste öffentlich zugängliche Park Großbritanniens. Der Zutritt ist kostenfrei, aber es ist eine Voranmel­dung über die Webseite skygarden.london nötig (min. drei Wochen vorher!).
Wahrscheinlich nur noch in London existieren traditionelle, viktorianische Herrenfriseursalons, in welchen man sich auch auf traditionelle Weise rasieren lassen kann. Einige bestehen schon seit weit über 100 Jahren. Mit Preisen ab ca. £40 für eine Nassrasur ist dies nicht gerade ein preiswertes Ver­gnügen, dafür aber eine einmalige Erfahrung. Ältester Barbershop der Welt - mit einen Eintrag im Guiness Buch der Rekorde - ist seit 1805 Truefitt & Hill (truefittandhill.co.uk; Kammerlieferant des Herzogs von Edinburgh). Die aktuelle Adresse 71 St. James's Street (Bus 9, H.: Pall Mall St James's Palace) besteht zwar erst seit 1994, aber dafür hat die Firma Niederlassungen in Nord­amerika und Asien. Die traditionelle Nassrasur („Hot Towel Wet Shave“) kostet £42.
Seit 1875 gibt es Geo. F. Trumper (trumpers.com), 9 Curzon St. W1 (Mayfair, Bus 14, H: Green Park) und die Filiale 1 Duke of York St. SW1 (St. James’s, Nähe Jermyn St., Bus 14, H: St. James's, Old Bond Street Royal Academy). Für eine Nassrasur („Wet Shave and Hot Towels“) berechnet man £40. Übrigens kauft hier Ian Flemings Roman- und Filmheld James Bond (in Diamonds are Forever, 1956) sein Duftwasser Eucris Eau de Toilette.
Jüngste im Bunde sind die Pall Mall Barbers, die seit 1896 in ihren, im Jahre 2005 renovierten Filialen 27 Whitcomb Street WC2 und 45 Fitzroy Street W1, sowie zwei weiteren Standorten, einen Luxury Wet Shave zum Preis von £50 offerieren (pallmallbarbers.com). Nicht ganz so alt und vielleicht etwas weniger mondän, aber dennoch traditionsbewusst sind die Jermyn Street Barbers (jermynstreetbarbers.co.uk). Bei ihnen gibt es den Traditional Hot Towel Wet Shave aktuell für £38.
Pflegeprodukte für Gentlemen findet man bei Trumper, Truefitt & Hill, D.R. Harris, 29 St.James’s St. (Nähe Jermyn St., Bus 14; drharris.co.uk; Hoflieferant und Kammerlieferant des Prinzen von Wales) oder bei Taylor of Old Bond Street, 74 Jermyn Street (Bus 14; tayloroldbondst.co.uk). Wer Geld hat, kann die Maßhersteller und Herren- und Damenausstatter in der Savile Row (Nähe Regent St.; savilerowbespoke.com) oder Jermyn Street (jermynstreet.net) aufsuchen.
Einen Besuch wert sind die großen Kaufhäuser Harrods (harrods.com), Selfridges (selfridges.com; Hoflieferant) und Fortnum & Mason (fortnumandmason.com; Hoflieferant und Kammerlieferant des Prinzen von Wales; bekannt vor allem für seine Foodhall und sein Picknickzubehör). Interessant sind weiterhin die zahlreichen Stadtteil-Märkte (z.B. boroughmarket.org.uk) und einige Läden im Chinesenviertel (chinatownlondon.org), vor allem die in den Seitenstraßen. Eine Liste der Lieferan­ten des Königshauses findet man unter royalwarrant.org oder rwha.co.uk, allerdings lassen sich diese das Renommée gerne extra vergolden.


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