Samstag, 18. August 2018

Warum ein Snob in Pommesbuden speist

Die Haute Cuisine steckt schon seit langem in einer Sackgasse. Ein gutes Restaurant der Spitzen­gastronomie gewinnbringend zu führen, ist heutzutage fast unmöglich, wenn bei einer Gewinn­marge von 5% nur 10% der Gäste eine Reservierung stornieren. Aufsehen erregt hat im Jahre 2017 auch der Fall des Chefkochs des Drei-Sterne-Gourmetrestaurants Le Suquet in Laguiole (Auvergne), der um die Streichung aus dem bekannten Gastronomieführer Guide Michelin gebeten hat. Aber viel schlimmer sind eigentlich die Gleichförmigkeit der Speisenkarten, die aus der Vernetzung der Köche resultiert, oder die Weinbegleitung, die am Ende ein alkoholisches Durcheinander produziert, wie auf einer Oberstufenparty. Auch produziert die Neigung immer exotischere Zutaten zu verwenden Geschmacksrichtungen, die nicht nur haarscharf am Rande des Limits liegen, sondern dieses hin und wieder überschreiten, wie z.B. das kürzlich entwickelte Mayonnaise-Speiseeis. Einem Snob bleibt da nur die Möglichkeit einen Schritt zurück zu treten und die Dinge aus der Distanz zu betrachten.
Der nächste logische Schritt führt ihn dann in eine bodenständige Pommesbude, denn diese stellt den Königsweg der schnellen Küche dar. Wichtig ist, nicht einfach irgendeine Bude anzusteuern, sondern einen alteingesessenen Traditionsbetrieb mit guter Reputation und stimmigem Angebot. Dazu verwende man einen entsprechenden Gastronomieführer, die es inzwischen auch als Smartphone-App gibt. Nach erfolgter, sorgfältiger Buden-Auswahl sollte der Snob auf jeden Fall seine eigene Pommes-Gabel aus Metall mitbringen. Das zeugt von einer gewissen Kultpflege und übermittelt die Botschaft „Ich meine es ernst!“ Niemals sollte man Pommes Frites mit den Fingern essen. Vorhandene Sitzgelegenheiten sollte man nutzen, auch wenn man dabei gesehen wird. Als Snob mit geradezu sprichwörtlicher Nonchalance kann man sich das erlauben. Gibt es nur Stehtische, dann bleibt man halt stehen, wenn sich in der unmittelbaren Nähe keine Sitzgelegenheit (z.B. eine Parkbank) findet. Im Gehen essen sollte man aber auf gar keinen Fall. Ein Snob nimmt sich stets die Zeit in Ruhe zu speisen, auch an einer Pommesbude. Sollte der Einsatz eines Messers erforderlich sein (z.B. bei Wurstgerichten), dann setzt der Snob anstelle des angebotenen Plastikbestecks sein Taschenmesser ein (ein Westfälisches Adelsmesser natürlich).

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