Erstaunlich groß ist die Zahl der
in Heilbädern und Kurorten eingesetzten Kurtherapien und
Heilmittel. Ihre Wirkungen sind jedoch weniger gesichert,
als man glaubt. Vor allem bei den nicht-ortsgebundenen
Therapien bestehen oft Zweifel an ihrer Wirksamkeit. Die
folgende Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Das klassische Heilbad besitzt eine
Heilquelle. Bei dieser kann
es sich um eine Mineral-, Sole- oder Thermalquelle handeln.
Mineralwasser wird meist auf Flaschen abgefüllt und als Getränk
verkauft, während die beiden übrigen für Kurbäder genutzt werden.
Ob also eine Mineralwasserquelle tatsächlich
eine Heilquelle ist, mag zurecht bezweifelt werden, auch wenn
gelegentlich sogar in ihrem Wasser gebadet wird. Bei einer
Solequelle handelt es sich um eine stark salzhaltige
Quelle, während als Thermalquelle alle Quellen bezeichnet werden,
die mit einer Temperatur von mehr als 20°C aus dem Boden sprudeln.
Bei allen Quellen sollte man sorgfältig die Heilanzeigen
studieren.
Bei Moorbädern
werden Badetorf, Badeschlamm, Schlick oder Heilerde mit heißem
Wasser vermischt. Mit dem Gemisch wird entweder nur eine
bestimmte Körperstelle behandelt oder es wird ein Bad darin
genommen. Prinzipiell wäre damit auch eine ortsunabhängige
Behandlung möglich, jedoch werden die Kuren in der Regel in der
Nähe der Förderorte durchgeführt.
Behandlungen mit dem Edelgas Radon
werden nur bei den Krankheiten Morbus Bechterew (eine Form von
Rheuma), Arthritis und Arthrose empfohlen. Radon ist radioaktiv und
kann Krebs verursachen. Man sollte es daher nur einsetzen, wenn
es unbedingt notwendig ist.
Der neueste Trend auf dem
Gesundheitsmarkt sind Atemkuren an
Wasserfällen, vor allem für Asthmatiker. Die
Heilwirkung liegt hier in Gischt und Nebel der zu Tal donnernden
Wassermassen. Durch die Wucht des Wasserfalls werden die einzelnen
Wassermoleküle beim Aufschlagen am Felsen in winzige Fragmente
zerschmettert, die so genannten Nano- bzw. Wasserfallaerosole.
Aufgrund ihrer geringen Größe dringen sie besonders tief in die
Atemwege ein und entfalten dort ihre reinigende und
immunmodulierende
Wirkung.
Der Begriff „Speläotherapie“
bezeichnet die Behandlung von Atemwegskrankheiten in einem
Heilstollen. Aber nicht nur bei Atemwegserkankungen,
sondern auch bei anderen Leiden werden diese aufgesucht, wie zum
Beispiel Stress oder physische und psychische Erschöpfungszustände.
Im deutschsprachigen Raum existieren derzeit 13 Heilstollen.
Ein besonderes Heilmittel und eine
geologische Besonderheit bietet das niedersächsische Staatsbad
Pyrmont: Die Dunsthöhle,
eine gemauerte Grotte in der Kohlendioxid (CO2)
aus dem Erdinneren ausströmt. Seit 1720 wird der Ort für
Therapien gegen Durchblutungsstörungen, Allergien und schlecht
heilende Wunden genutzt.
Damit wären die ortsgebundenen
Heilmittel des Bodens erschöpfend abgehandelt, jedoch gibt es auch
noch andere Heilmethoden, die in Kurorten und Heilbädern praktiziert
werden: Die Wasserkuren nach Pfarrer Kneipp und die Kurkonzepte
von Johann Schroth und von Emmanuel Felke. Allen dreien ist
gemeinsam, dass ihre Gegner sie für gesundheitsschädlich halten.
Molkekuren wurden im 19. Jahrhundert populär und tauchen
immer wieder mal aus der Versenkung auf. Bei diesen Kuren wird ein
Abfallprodukt aus der Milchherstellung als Kurmittel getrunken. Allen
vier vorgenannten Kurkonzepten ist gemeinsam, dass es sich um Kuren
handelt, die prinzipiell ortsunabhängig durchgeführt
werden können. Eine Heilquelle o.ä. ist nicht erforderlich. Ihre
Wirksamkeiten sind umstritten.
Irgendwo zwischen der ortsgebundenen
und der ortsunabhängigen Kur liegt das Eisenbad (oder
Schlackenbad). Dieses nutzt das Prozesswasser (manchen sagen
auch „Abwasser“) aus der Metallherstellung. Wenn die
Schlacke mit Wasser abgeschreckt wird, nimmt das Wasser dabei
Schwefel und Mineralien auf und erhält somit eine
Heilwirkung wie Heilwasser, oft sogar in stärkerer Konzentration.
Eine Ortsgebundenheit entsteht hier durch die erforderliche Nähe zu
einem Hüttenwerk. Mit dem Niedergang der Metallverarbeitung ist
auch die Zahl der Eisenbäder zurückgegangen.
Ein Seeheilbad nutzt die Heilwirkung
des Seeklimas. Leider ist oft nicht ganz klar, worin diese
Heilwirkung besteht oder warum sie in einem benachbarten
Küstenort der kein „Seeheilbad“ ist weniger positiv sein soll.
Auch ist der Begriff „Seeklima“ eher unzureichend definiert,
bezieht er sich doch auf eine jährliche Durchschnittstemperatur
unter dem Einfluss eines nahen Ozeans außerhalb der Tropen
(auch die Hauptwindrichtung kann dabei eine Rolle spielen). Folglich
sollte man einem Seeheilbad keine allzu große Heilwirkung beimessen.