Samstag, 15. Juni 2019

Autos für Snobs

Autos sind industrielle Massenprodukte. Exklusiv ist an ihnen so gut wie nichts. Für Snobs, die Wert darauf legen ein individuelles Auto zu fahren, kann das zum Knackpunkt werden. Zwar gibt es erstaunlich viele Kleinserienhersteller, die – oft sogar in reiner Handarbeit – besondere Automodelle fertigen, aber erstes werden auch dafür letztendlich Teile aus industrieller Serienproduktion verwen­det und im Grunde genommen lediglich zusammengeschraubt. Und zweitens ist der Preis dafür atemberaubend. Wirklich exklusive Automarken (und die Rede ist nicht von irgendwelchen Sport­wagenmarken für Neureiche), die noch dazu erschwinglich sein sollten, gibt es so gut wie gar nicht.
Vor einigen Monaten geisterte die Nachricht durch die Medien, dass der Enkel des Firmengründers der in den 1960er Jahren pleite gegangenen Firma Borgward diese wieder neu beleben will (borgward.com). Die Markteinführung der in China produzierten Autos in der BRD ist offiziell im Sommer 2018 mit dem Modell „SUV BX7“ erfolgt, das über die Borgward-Webseite zu einem Preis ab €44.000 bestellt werden kann. Durchaus interessant für Snobs.
Die schwedische Firma Saab ist 2011 in Konkurs gegangen und wurde von Investoren übernom­men. 2013 wurde das Modell Saab 9-3 wieder neu aufgelegt. Da Saab auch im Heimatland Schwe­den kein Händlernetz mehr besaß, wurde der Saab 9-3 vorerst nur über die eigene Website vertrie­ben. Leider ist der neue Betreiber 2014 ebenfalls in Konkurs gegangen, sodass die Fertigung des 9-3 wieder eingestellt wurde. Ansonsten wäre es ein für Snobs interessantes Auto gewesen.
Der indische Hersteller Mahindra produziert im indischen Kandavil das Geländewagenmodell „Bo­lero_suv“. In Europa sind Exemplare dieses Typs extrem rar und schwer zu bekommen. Eigentlich ideal für Snobs. Nur am Preis muss noch gearbeitet werden.
Die britische Marke Morgan Motor Company (morgan-motor.co.uk) aus Malvern in Worcestershire ist weltweit das einzige Unternehmen, das bei Automobilen noch Aufbauten mit Rahmen aus Eschenholz einsetzt, eine Fertigungstechnik, die aus dem Kutschwagenbau stammt. Der Morgan 4/4 hält den Rekord als das am längsten durchgehend produzierte Automodell und wird seit 1936 - der­zeit mit einem 1,6 Liter Motor von Ford - angeboten. Der Preis für ein solches Fahrzeug entspricht etwa dem eines oberen Mittelklassewagen neuerer Bauart. Eines sollte man jedoch noch wissen: Ältere Morgans neigen zu Karosserieschäden, weil der Aufbau nicht sehr dicht ist und nur von außen lackiert wurde. Daher rostet das Blech von innen und das Eschenholzgerippe verrottet, sobald Wasser eindringt. Bei den aktuellen Serien stellt das jedoch kein Problem mehr dar. Aber der Mor­gan hat auch einen erheblichen Vorteil: Das Auto ist exklusiv ohne so angeberisch zu wirken wie manche italienischen Sportwagen, aber dabei so auffällig, dass es garantiert niemand klauen wird, denn wie und wo sollte man ein so seltenes Modell unbemerkt verkaufen? Natürlich kann man sich auch die neueren Modelle des Herstellers anschauen, wie zum Beispiel den MP8 by Merz & Pabst.
Ebenfalls aus Großbritannien kommt der Speedback Gran Tourismo, der optisch ein wenig an James Bond's klassischen Aston Martin erinnert. Eine Besonderheit ist die im Kofferaum platzierte, ausklappbare Sitzbank für Picknicks. Der Wagen wird in Handarbeit bei David Brown Automotive Ltd. in Coventry hergestellt. Teile der Technik kommen von Jaguar und im Innenraum dominieren Holz und Leder. Mit fast 500.000 Pfund liegt der Preis natürlich jenseits dessen, was für einen Budget-Snob leistbar ist.

Bei Heise gibt es eine interessante Übersicht über Kleinserien der großen Hersteller: www.heise.de/autos/artikel/Kaum-zu-kriegen-Kleinserien-der-Autohersteller-1869218.html
Mehr zum Thema Bordward:
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/borgward-wiederbelebte-traditionsmarke-kriselt-auch-unter-neuem-eigentuemer-a-1260379.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen