Samstag, 13. April 2024

Bad Zwesten

Der Kurort in Nordhessen am Rande des Kellerwaldes besitzt mit der „Zwestener Löwenquelle“ ein Natrium-Calcium-Chlorid-Hydrogencarbonat-Wasser, welches bei Erkrankungen des Magens, der Galle, der Leber, des Darms und der Harnwege hilft. Das Prä­­dikat „Heilbad“ wurde dem Ort recht spät im Jahre 1992 verliehen. Der Schwerpunkt der Behandlungen liegt auf Burnout- und neuro­logischen Erkrankungen. Außerdem gibt es mehrere Mineralquellen, u.a. den „Löwensprudel“ eine seit 1769 bekannte Quelle, aus welcher vermutlich auch der Grimm-Bruder Ludwig im Jahre 1824 getrunken haben dürfte, als er an ihr ver­weil­te.

Die Quellen entspringen im Kurpark am Löwen­sprudel, der sich am südlichen Ortsrand befindet. Dort gibt es einen Brunnentempel, eine Liege­halle, Toiletten und ein Kneipp-Becken. Dieser Park liegt etwa 1.5km vom Kurhaus entfernt, wo es einen zweiten Kurpark gibt. Der Kurpark am Kur­haus beherbergt - neben dem Kurhaus - einen Baum­lehr­pfad, einen Klangerlebnispfad, eine begeh­bare Sonnenuhr, einen Bewegungsgarten sowie einen Boule/Boccia-Platz und Freiluft-Schach. Der Stan­dard-Kurbeitrag liegt bei €1.70 (badzwesten.de). Kur­karten­inhaber dürfen u.a. kosten­los an den Trinkstunden der Heilquelle im Kurhaus (ganzjährig) oder im Brunnen­tempel (nur im Sommer­halb­jahr) teilnehmen, die Leih­bücherei im Kurhaus be­nutzen und erhalten diverse Rabatte auf Eintritte und zu Veranstaltungen.

Die Nutzung des „Löwenbades“ im Kurhaus ist mit €4.50 pro Tag durchaus günstig (mit Kur­karte €3.80; es gibt u.a. auch 10er-Karten), jedoch sind die Öffnungs­zeiten etwas restriktiv: Montag von 16.00 bis 20.30 Uhr, Dienstag und Mittwoch geschlossen, Donnerstag von 16.00 bis 20.30 Uhr, Freitag von 08.30 bis 21.30 Uhr, Samstag von 14.00 bis 21.30 Uhr, Sonntag von 8.30 bis 18.00 Uhr und an Feiertagen gemäß Aushang. Neben dem Hauptbecken (31°C) gibt es ein zusätzliches 34°C warmes Rundbecken mit Massagedüsen und ein Solarium (kostet extra). Massagen erhält man im Kur­haus zwar nicht, jedoch befinden sich im Ort gleich zwei Massagepraxen in denen (seriöse) thai­ländische Massagen verabreicht werden (lukkana-thaimassage.de und baan-chittawan.de).

Das Stadtgebiet hat einige sehenswerte mittelalterliche Bauwerke (u.a. die Wehrkirche), das Hei­mat­museum (museumbadzwesten.de) und die Sternwarte in der Hardtwaldklinik I (sternwarte-hwk.de). An besonders interessanten Fotostandorten findet man Foto-Points. Im Kurhaus werden regelmäßig Kon­zerte ver­anstaltet, außerdem gibt es dort einen WLAN Hot­spot. Preis­wert speisen kann man u.a. im örtlichen Rewe (WLAN) oder in den Cafeterien der Hardt­waldkliniken I & II (WLAN; Klinik I hat auch einen Kiosk). Ferienzimmer sind ab etwa €35 pro Tag und pro Person im Angebot (buchen.badzwesten.de). Die Region um Bad Zwesten ist über­dies ein beliebtes Wander­revier.

Lei­der verkehren derzeit keine Flixbusse nach Bad Zwesten. Der etwa 10km entfernte Bahnhof von Bad Wildungen kann mit dem stündlich verkehrenden Bus 410 erreicht werden. Ab dort fahren Züge und Busse (Linie 500) nach Kassel (nvv.de). Näher liegen die Bahnhöfe von Borken oder Neuental-Zimmerode und von dort fahren Regionalzüge nach Frankfurt/M., jedoch gibt es dorthin keine Busverbindung. Für die Anreise mit dem Auto liegt Bad Zwesten am Schnitt­punkt der Bun­des­straßen 3 und 485. Zur A49 (Kassel – Fritzlar – Marburg), Anschluss­stelle Bor­ken/Bad Zwesten sind es ca. fünf Kilometer. 

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Donnerstag, 11. April 2024

Die Sommerfrische

Das sommerliche Übersiedeln von der Stadt auf das Land war schon in der Antike weit verbreitet. Richtig populär wurde es mit dem Bau der Eisenbahn im späten 19. Jahrhundert. Adlige und wohl­habende Bürger bauten sich nun in malerischen Orten entlang der Bahnstrecken Sommervillen oder quartierten sich in Gasthöfen und Privathäusern ein. Schnell entstanden in den beliebtesten Orten Unter­hal­tungs­angebote für die Sommergäste, wie z.B. Spazierwege zum Promenieren und Fla­nie­ren, Musik­pavillons, Flussbäder oder Aussichtspunkte; in besonders mondänen Orten auch Theater und ein Kurpark, oft mit einem oder mehreren (Kaiser-) Denkmälern. Vor allem in Öster­reich ent­wickel­te sich die Sommerfrische bald zu einem Status­symbol. Sommerfrische-Orte gab es dort viele; die Bekanntesten dürften wohl Semmering, Rax, Baden bei Wien und Bad Vös­lau sein. Nicht weniger populär waren aber auch der Wienerwald und das Kamp­tal, die auch heute noch be­liebte Ziele für Sommertouristen sind (z.B. besaß der Wie­ner Pop­sänger Falco ein Haus in Gars am Kamp). Selbst Kaiser Franz-Josef hatte eine Saison-Villa in Bad Ischl. Natürlich war er nicht der einzige Prominente; z.B. taten auch Gustav Mahler, Johannes Brahms, Sigmund Freud oder Arthur Schnitzler es ihm gleich, wenn auch nicht alle in Ischl. In der Hochblüte der Sommer­frische ver­brach­ten Frauen und Kinder meist den ge­sam­ten Sommer auf dem Land, während die Männer unter der Woche in der Stadt ihrer Arbeit nachgingen. Durch die Veränderung der Reise­gewohn­heiten ab den 1950er Jah­ren, wurde die Sommerfrische unpopulär, gewann aber in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit. Zum Glück noch nicht so sehr, dass sie für Snobs uninteressant wäre.

Sonntag, 7. April 2024

Statussymbol des Easyjet Set?

Auch der Easyjet Set hat seine Statussymbole. Eine Sache, die gerade dabei ist zum neuen Merk­mal des Easy­jet Sets zu werden, ist die Visa-Kreditkarte von Euro­wings. Es gibt sie in zwei Aus­führun­gen: Classic und Platinum. Die Classic-Karte beinhaltet unter anderem die kostenfreie Mit­nahme von Sport­gepäck, Security-Fastlane-Nutzung an be­stimm­ten Flug­häfen, gebührenfreie Bargeld­ab­hebun­gen außerhalb der BRD, gebührenfreie Nutzung innerhalb der Euro-Zone und die Teilnahme am Miles&More Pro­gramm der Star Alliance mit einer Prämien­meile pro €2 Umsatz. Bei der Pla­tinum-Karte kommen unter anderem hinzu: Priority-Check-in, Sitz­platz­reservierung, Security-Fast­lane-Nutzung an weiteren Flughäfen, keine Gebühren bei welt­weiter Nutzung und diverse Reise­ver­sicherungen. In allen Fällen muss natürlich mit der Karte bezahlt werden. Mit 29 Euro für die Classic-Karte und 99 Euro für die Platinum-Karte hat das Vergnügen jedoch auch seinen Preis. Dennoch werden Viel­flieger die Vorteile sicher höher wertschätzen. Der Easyjet Set wohl auch.

Dienstag, 2. April 2024

Der Easyjet Set

Mit dem Aufkommen der düsengetriebenen Passagierflugzeuge und dem zunehmenden Wohlstand in den 1950er Jahren entstand eine neue, welt­umspannende Partyszene. Ihre Teilnehmer – Playboys, Künstler, Prominente, Adlige und andere wohlhabende Nichtstuer - waren ständig mit Flugzeugen unterwegs zu exotischen Orten in Europa und Übersee, wie z.B. Cannes, Saint-Tropez, Portofino, St. Moritz, Gstaad, Acapulco, die Bahamas, Marbella oder Mykonos, wo sie von den ebenfalls neu aufge­kom­me­nen Paparazzi, vor allem für europäische Boulevardblätter, fotografiert wurden. Der Jet Set war geboren.

In den 1980er Jahren ebbte der Trend zwar ab, aber mit dem Zeitalter der Billig­flieger gab es eine Neuauflage: Den Easyjet Set. Die Angehörigen dieser Party­szene fliegen eben­falls um die Welt, oder zumindest durch Europa, immer auf der Suche nach einem neuen Party-Hotspot. Nur, dass sie nicht in der Ersten Klasse von (damals) sündhaft teuren Düsen­maschinen reisen, sondern mit preis­werten Billigflügen namhafter europäischer Billigflieger oder – wenn es sich um regionale Party-Hotspots oder die „letzte Meile“ zum Zielort handelt – mit dem Fernbus oder dem D-Ticket im Nah­verkehr. Einer der Billig­flieger ist die britische Flug­gesell­schaft „Easyjet“, die einen Teil des Namens beisteuert. Man erkennt Easyjet Setter oft daran, dass sie ein kleines Gepäckstück (Tasche oder Ruck­sack) mit den maxi­malen Abmessungen 40x20x25cm bei sich tragen. Das ist genau die Gepäckgröße, die bei den meisten Billig­flug­gesell­schaften unter den Vor­der­sitz passt und im Flug­preis inbegriffen ist.

Organisiert wird die Reise mit dem Smartphone; hier darf es auch schon mal ein teures iPhone sein. Statt in einer Flug­hafen­lounge oder irgendeinem VIP-Privat­club, ver­kehrt man im örtlichen „Star­bucks“ oder „Costa Coffee“ (not­falls tut es auch ein „McCafé“), wo man - neben Cappuccino Gran­de oder Caffè Misto mit Blaubeermuffin oder Cheesecake New York Style - gratis Wlan und gele­gent­lich auch Steckdosen vor­findet. Bezahlt wird natürlich mit der haus­eige­nen Kunden­karte oder App. Bei Vielen ist sogar schon der eigene Mehrweg-Kaffee-Thermo­becher zum Status­symbol ge­worden.

Am Zielort wohnt man möglichst preiswert, z.B. in einem Zimmer das man via Airbnb ge­bucht hat, in irgendeinem Hostel oder man verzichtet komplett auf ein Zimmer und über­nachtet direkt auf der Party. Da es heute kaum noch Paparazzi gibt und die wenigen Verbliebenen sich nicht für den Easy­jet Set interes­sie­ren, nutzt man sein eigenes Smart­phone, um auf der Party Selfies zu schießen und diese dann ir­gend­wo ins Internet hoch­zu­laden. Als Party-Loca­tion kommen alle möglichen Orte infrage. Aus­ge­fallene Orte sind besonders be­liebt, wie z.B. so­ge­nannte „Lost Places“ oder auch die Hohl­räume in einer Auto­bahn­brücke (z.B. in der A4, Schlin­gen­bach­tal­brücke bei Overath im Juni 2021). Oft sind die Eigen­tümer davon nicht be­geistert und nicht selten gibt es Schwierigkeiten mit ört­lichen Be­hör­den. Aber dann zieht man halt weiter zur nächsten Party.

Samstag, 30. März 2024

Gehobene Dinge Heute: Premium-Warenhäuser

Es ist nicht die Epoche der gehobenen Warenhäuser, wie die kürzlich erfolgte Pleite der öster­reichi­schen Signa Holding bewiesen hat. Mit ihr stehen alle drei Premium-Warenhäuser in der BRD - das KaDeWe in Berlin, das Alsterhaus im Hamburg und das Oberpollinger in München – außerdem die schwei­zerischen Globus-Warenhäuser zur Disposition. Wenn dann das Zürcher Jelmoli zum Jahres­ende 2024 ge­schlossen wird, existieren im deutschsprachigen Raum keine Pre­mium-Warenhäuser mehr. 

 Es gibt allerdings Alternativen. Eine davon sind die Manu­factum-Warenhäuser (manufactum.de). Das Sortiment ist mit etwa 6000 Artikeln nicht so um­fang­reich, aber es werden ausgewählte Pro­dukte angeboten, die von erlesener Qualität sind und die man (jetzt) anderswo kaum bekommt. Bundesweit existieren Häuser an 14 Stand­orten, außer­dem ein Haus in Wien (manufactum.at). Einige Geschäfte haben auch eine Ab­teilung mit frischen Lebensmitteln. Daneben gibt es vom selben Betreiber noch drei Magazin-Einrichtungshäuser mit Kleinmöbeln und Haus­halts­waren und zwei weitere Standorte mit einem Gartenbau-themen­bezo­ge­nen Sorti­ment.

Eine weitere Alternative bietet die französische Luxusladenkette Hermès (hermes.com). In der BRD existie­ren 11 Filialen; neun in der Schweiz und zwei in Österreich. Hermès dürfte in Snob-Kreisen wohl hin­läng­lich bekannt sein. Lebensmittel erhält man dort aber leider nicht.

Ansonsten bleibt noch der Blick nach London. Für Snobs ist besonders Fortnum & Mason interes­sant, schon wegen des umfangreichen Picknickzubehörs (fortnumandmason.com). Die frischen Lebens­mittel kann man natür­lich nur persönlich vor Ort erwerben, aber haltbare Lebensmittel können pro­blem­los verschickt werden, z.B. Tee und Brot­auf­striche für den Nachmittagstee. Auch Pflege­pro­dukte von allen wich­tigen Her­stellern (Truefitt & Hill, Geo. F. Trumper, Penhaligon's etc.) wer­den geliefert, ebenso gehobene Haus­halts­waren und Geschirr. Wer Waren von F&M aber lieber per­sönlich ein­kaufen möchte, ohne nach London zu fahren, könnte einen der beiden mittel­europä­ischen Stockisten be­suchen, auch wenn diese nicht das gesamte Sortiment führen: Trabitsch in Wien (awodf.com) oder La Grande Epicerie in Paris (lagrandeepicerie.com).

Montag, 25. März 2024

Gehobene Dinge Heute: Die Trüffel

Die knolligen Pilze stellen heute wohl das einzige verbliebene exklusive Lebensmittel dar, nachdem Wild­fang-Kaviar verboten, Zuchtkaviar nicht immer genießbar und sogar Champagner zum Massen­produkt geworden ist. Natürlich gilt dies nur für die Gattung Tuber, die „echte“ Trüffel. Schon in der Antike wurden Trüffeln gerne gegessen und seit der Mitte des 18. Jahrhunderts gilt die Trüffel als exklusiver und gehobener Speisepilz. Wichtigster Produzent ist heute Frankreich. Der Trend geht zur Zucht von Trüffeln, da die natürlichen Bestände im Laufe der letzten 200 Jahre erheblich dezimiert worden sind. Die wichtigsten Arten sind die Schwarze Perigord-Trüffel, die Weiße Pie­mont-Trüffel und die Burgunder-Trüffel; des weiteren werden auch die sog. Sommer- und Winter­trüffeln verzehrt. Eine Portion Trüffeln für zwei Personen (ca. 20–25 Gramm) kostet etwa €40–60; Sommer-Trüffeln sind in Umbrien frisch ab ca. €30 pro 100g zu bekommen. Die lang­fristige Lagerung von Trüffeln (in Gläsern oder Konservendosen) ist nur bei schwarzen Trüffeln möglich, wenn diese gründlich gereinigt und in ein luftdichtes Gefäß gegeben werden, das drei Stunden im Wasserbad sterilisiert wird. Dabei verlieren die Trüffeln u.U. jedoch Flüssigkeit und Aroma.

Für Privatkunden ist vor allem der Marché aux truffes d'hiver von Carpentras interessant, der jedes Jahr von Mitte November bis Ende März an Freitagen stattfindet (carpentras.fr). Etwa 10 Stände bieten dort Trüffeln an. Die Anzahl der Marktstände und der Typ der angebotenen Waren schwan­ken jedoch stark mit den Saisonen. In den Sommermonaten findet jeden Freitag der Marché aux truffes d'été in Carpentras statt. Auf diesem Markt sind meist weniger als zehn Trüffel-Stände anzutreffen.

In Italien wird im Oktober an den jeweils hintereinander liegenden Wochenenden immer Samstags und Sonntags in Alba im Palazzo Mostre e Congressi die Trüffelmesse Fiera Internazionale del Tartufo Bianco Alba veranstaltet (fieradeltartufo.org). Auf dieser Messe werden auch weitere regionale Kostbarkeiten wie Wein, Käse, Pasta und Backwaren offeriert. Die Produkte können im Palazzo probiert und verkostet werden, außerdem gibt es eine Show-Cooking-Veranstaltung und Kochwerkstätten. Kaufen kann man Trüffeln dann auch in vielen Geschäften in der Stadt.

Leider werden sogar auf renommierten Trüffelmärkten immer wieder auch mal Fälschungen ange­boten. Die Echten Trüffeln bilden kugelig-knollige haselnuss- bis kopfgroße Fruchtkörper. Ihre Ober­fläche ist häufig höckerig. Das Fleisch ihrer Fruchtkörper ist fleischig-zäh und gelblich bis dunkelbraun gefärbt. Es kann vollfleischig oder mit Hohlräumen versehen sein. Ihr sporenbildendes Inneres ist durch verschiedenfarbige Adern marmoriert. Helle Adern, die sogenannten „Venae externae“ münden an der Oberfläche der Fruchtkörper. Auffällig ist oft der starke Geruch.

Die meisten „Trüffelprodukte“, wie z.B. Trüffelöl, Trüffelbutter oder Nudeln mit Trüffel, enthalten zugesetzte Aromastoffe und selbst dort, wo keine Aromen verwendet werden, müssen nicht immer hochwertige Trüffel enthalten sein. Die große Zahl unterschiedlicher Arten ermöglicht es, preis­wer­tere Trüffelarten hinzuzufügen, die es zwar erlauben, „Trüffel“ auf die Packung zu schreiben, die aber qualitativ nicht mithalten können.

Aktuell ist das Angebot an Trüffeln eher bescheiden, was natürlich auch daran liegt, dass die Saison vorbei ist. Preislich erschwinglich ist derzeit eigentlich nur die Offerte von Caviarhouse & Prunier "Sommertrüffelscheiben inOlivenöl", d.h. 90g Tuber Aestivum für €39.50. Die ganze, schwarze Wintertrüffel ist leider momentan nicht lieferbar.

Mittwoch, 20. März 2024

Gehobene Dinge Heute: Lounges

Zunächst muss man sagen, dass nicht alles „Lounge“ ist, was sich „Lounge“ nennt. Selbst manche Gaststätten wagen es heutzutage sich „Lounge“ zu nennen, obwohl es sich um einen gewöhnlichen Gastronomiebetrieb handelt. Häufig ist es sehr schwer zu erkennen, was ein Betrieb überhaupt mit einer „Lounge“ gemeinsam haben soll. Der Duden kennt vor allem drei Arten von Lounges: 1. Gesellschaftsraum in einem Hotel o.Ä.; Hotelhalle, 2. Bar, Klub mit anheimelnder Atmosphäre, 3. luxu­riös ausgestatteter Aufenthaltsraum auf Flughäfen, in Bahnhöfen, großen Stadien o.Ä. Die De­finition „luxuriös ausgestatteter Aufenthaltsraumdürfte wohl am Universellsten sein. Lounges an Flughäfen und Bahnhöfen (seltener in Seehäfen) befinden sich in der Tradition des Warte­saals Erster Klasse. Bei diesen Reiselounges stehen naturgemäß die Bedürfnisse der Reisen­den im Vordergrund. Exklusiv sind sie nicht. Für den Snob ist eine Reiselounge aber auf jeden Fall besser, als ein ge­wöhn­li­cher Warte­raum mit ungemüt­lichen Plastik­möbeln.

Das Angebot der Flughafen-Lounges ähnelt sich: Bequeme Sitzmöbel, Getränke und Snäcks, Zei­tun­gen und Zeitschriften, Fernseher mit Nachrichten­programmen, Abflugmonitor und natürlich alles klimatisiert und barrierefrei. Im Businessbereich befinden sich meist Notebook-Arbeitsplätze, Steck­dosen, Handyladegeräte und WLAN. Dennoch findet man einen Snob nur selten in einer der übli­chen Flughafen (Business) Lounges; das gilt sogar für die Erste-Klasse-Lounges diverser Flug­gesell­schaften. Einen Vielfliegerstatus hat er schon gar nicht. Der Grund ist simpel: Ein Snob fliegt bevorzugt mit einer Chartermaschine oder einem Lufttaxi. Diese starten entweder vom General Aviation Terminal oder von einem kleinen Flug­platz aus (v.a. wenn es sich um eine Propeller­maschine handelt). Auf beiden gibt es in der Re­gel keine (Business) Lounges.

Am Boden stellt vor allem die Erste Klasse der Eisenbahn die bevorzugte Snob-Transportart dar, sofern der Snob nicht mit dem Nachtzug-Schlafwagen reist. Die Wahr­schein­lichkeit einen Snob in einer Bahnlounge anzutreffen ist demzu­fol­ge deut­lich höher. Den Rei­senden in der Erste Klasse stehen 15 DB Lounges der Deutschen Bahn und 7 ÖBB Club Lounges der Österreichischen Bundes­bahn offen, wobei Nachtzugpassagiere in Österreich ebenfalls Zugang zu den Lounges erhalten. Das Angebot um­fasst für ge­wöhn­lich bequeme Sitzmöbel, Zeitun­gen und Zeit­schriften (bei den ÖBB nur digital), TV-Nach­rich­ten (nur DB), Notebook-Arbeitsplätze mit Steckdosen und WLAN, alkoholfreie Heiß- und Kaltgetränke und eigene Toiletten; bei den ÖBB und in den Premium­berei­chen der DB Loun­ges auch kleine Snäcks. Außerdem existieren in vielen euro­päischen Nach­bar­län­dern ebenfalls Bahn­lounges, u.a. in Frank­reich, den Nieder­lan­den (Amsterdam Central, Schiphol und Rotterdam Central), Spanien und Schweden, wo­bei das An­gebot und die Qualität recht un­ter­schiedlich sein können (z.B. sind in Frankreich Ge­tränke kosten­pflichtig).

Von den derzeit insgesamt 15 Lounges an deutschen Bahnhöfen besitzen die Loun­ges in Berlin, Frankfurt Hbf., Hamburg, Köln und München einen separaten Bereich für Passagiere der Ersten Klasse. Zugang erhält man mit einem Fahrschein für die Erste Klasse im Fernverkehr, jedoch nicht mit einem Super-Sparpreis-Fahrschein für die Erste Klasse (auch nicht im allgemeinen Lounge­bereich). Getränke und Snäcks werden - im Gegensatz zum normalen Lounge­bereich - am Sitzplatz serviert und man bekommt auch kostenlose alkoholische Getränke. Ansonsten unter­schei­det sich das Angebot im Erster-Klasse-Bereich nicht von dem im allgemeinen Loungebereich, zu dem schon einfache Bahncard-Inhaber mit Vielfahrerstatus Zugang haben. Zu Spitzenzeiten ist der Erste-Klasse-Bereich aber meistens weniger überfüllt, als der allgemeine Bereich.

Vor einigen Jahren wurden v.a. in Einkaufszentren Shoppers’ Lounges (auch Customer Lounge ge­nannt) eingerichtet. Leider sind diese Lounges wieder verschwunden, noch dazu praktisch lautlos. Des weiteren fand man noch vor ein paar Jahren in Innenstädten und in Business Parks oft sog. Business Lounges mit Büros und Notebook-Arbeitsplätzen zur Tagesmiete vor. Von ihrem Wesen her waren sie aber auf die Bedürfnisse von Geschäftsleuten zugeschnitten und für Snobs unge­eig­net. Weniger verbreitet sind Lounges in Seehäfen. In der BRD gab es mal eine See­hafen-Lounge im Hafen von Kiel, aber die wurde schon vor geraumer Zeit geschlossen.

Eine Besonderheit stellt die LuxxLounge am Flughafen Frankfurt/M. dar (luxxlounge.de). Die Flug­hafen­lounge be­fin­det sich außer­halb des Sicher­heits­bereiches, sodass auch Besucher ohne Flug­ticket Zugang ha­ben, z.B. solche, die am Flughafenbahnhof umsteigen. In einem angenehm ruhigen Ambiente wer­den dem Gast Getränke und Snäcks, internationale Tageszeitungen und Magazine, kostenfreies WLAN sowie komfortable Sanitäranlagen mit Dusch­mög­lich­keit offeriert. Außerdem gibt es einen kleinen Kon­ferenz­raum. Der einzelne Ein­tritt für bis zu 3 Stun­den Aufenthalt liegt bei €35, es gibt auch eine Jah­res­mitglied­schaft.