Sonntag, 12. November 2017

Ein Besuch in Genf

Wer von dem ewigen Kampf gegen den (selbstgemachten) Terror in Brüssel und Paris die Nase voll hat, aber dennoch eine Stadt mit frankophoner Atmosphäre besuchen will, der sollte seine Auf­merk­samkeit auf Genf richten. Die Metropole am gleichnamigen See hat nämlich auch für Snobs einiges zu bieten.
Schon die geographische Lage mutet seltsam an, liegt die Stadt Genf doch praktisch mitten in Frank­reich und ist nur über einen ca. 15km breiten Korridor mit der übrigen Schweiz ver­bunden. Imposantestes Gebäude, an dem kein Besucher vorbei kommt, ist die reformierte Cathé­drale Saint-Pierre Genève hoch über dem südlichen Rand der Innenstadt gelegen (saintpierre-geneve.ch).Vom Kirch­turm aus (Eintritt SFr. 5) hat man einen beeindruckenden Rundblick über die ganze Stadt. Direkt neben dem (Haupt-)Bahnhof Cornavin befindet sich die sehenswerte, katholische Kirche Basilique Notre-Dame de Genève (ecr-ge.ch). Im Hafen nicht zu übersehen ist die bekannte Wasser­fontäne, der Jet d'Eau, das Wahrzeichen der Stadt. Weiterhin interessant sind die zahlreichen Museen, wobei die staatlichen Museen in aller Regel kostenlos zu besichtigen sind. Für die übrigen Museen erhält Rabatt, wer einen sog. Geneva Pass (geneva-pass.com) vorweisen kann. Für den Snob interessant sind vor allem das Maison de Rousseau et de la Littérature und das Museum Voltaire. Kostenlose Stadtführungen mit einheimischen Führern kann man über freewalk.ch buchen. Genf ist auch für seine Parks bekannt, darunter der Parc des Bastions bei der Universität, der Parc la Grange, etwas außerhalb der Innenstadt am südlichen Seeufer (gratis WLAN), und der Parc de la Perle du Lac, direkt am nördlichen Seeufer gelegen (gratis WLAN). Nördlich des Parks La Perle du Lac liegt der Botanische Garten mit einem Steingarten, dem Palmenhaus und einem kleinen Tierpark (ville-ge.ch/cjb).
Wichtigste Einkaufsstraße ist die rue du Rhône, unweit des südlichen Seeufers, mit allen bedeu­ten­den Nobelmarken und Luxusartikeln. Auch diverse Uhrenboutiquen und das Kaufhaus Globus (globus.ch) befinden sich hier. Nicht weit von der rue du Rhône, in der rue du Marché liegt das Kaufhaus Bongénie (bongenie-grieder.ch). Einen Besuch wert ist auch der Caran d'Ache Flagship Store an der Place du Bourg-de-Four. Unbedingt probieren sollte man überdies die Süßwaren in einer der zahlreichen Schokoladenmanufakturen, die man überall in der Stadt findet. Wer keinen Wohnsitz in der Schweiz hat, kann sich übrigens bei Einkäufen ab SFr. 300 die Mehrwertsteuer erstatten lassen.
Zur Fortbewegung kann man via geneveroule.ch zu bestimmten Zeiten Fahrräder ausleihen, wobei die ersten vier Stunden zumeist kostenfrei sind. Wer in Genf im Hotel etc. übernachtet, erhält dort die Geneva Transport Card, mit der der öffentliche Nahverkehr (einschließlich der Mouettes, der Linienboote auf dem See) gratis benutzt werden kann.
Preiswert speisen kann man u.a. in der Buvette der Bains des Pâquis gegenüber vom Jet d'Eau. Dort gibt es gewöhnlich einen Tagesteller für ca. SFr. 14. Weitere günstige Speisemöglichkeiten bieten die Restaurants in den Migros- und Coop-Supermärkten (gratis WLAN). Die Preise im Hotel Me­tro­pole sind zwar nicht so gestaltet, dass man unbedingt darin wohnen möchte, aber ein Besuch der Dach­bar beschert einem neue Aussichten auf die Stadt, auch wenn er etwas hochpreisig ist (metropole.ch). Seinen Durst kostenlos stillen kann man an zahlreichen, öffentlichen Trink­brunnen. Kostenlose WLAN-Hotspots existieren ebenfalls überall in der Stadt. Infos zu diesen und vielen anderen Themen findet man unter geneve.com.
Zum preisgünstigen Wohnen empfiehlt sich das City Hostel (cityhostel.ch). Ansonsten sucht man preiswerte Unterkünfte über die bekannten Buchungsportale oder bei bnb.ch. Die Anreise in die Schweiz kann sehr gut mit diversen Nachtzügen erfolgen (nightjet.com), u.a. aus Hamburg und Berlin bis Basel oder aus Wien bis Zürich und jeweils weiter mit einem Tageszug nach Genf (Reisezeit Zürich – Genf unter 3 Stunden).

Mittwoch, 8. November 2017

Die neuen Shoppers' Lounges

Aus Italien kommend, schwappt derzeit eine neue Modewelle (der ein Snob nicht notwendigerweise folgen sollte) durch die Einkaufswelt: Die Lounge für Einkäufer, Shoppers' Lounge, Customer Lounge oder Guest Lounge genannt. Man findet sie in Kaufhäusern, Einkaufs- und Outletzentren.
Die bevorzugte Lage ist in der Nähe des Service oder Concierge Desks. Das Angebot umfasst be­queme Sitzmöbel, WLAN, Handyladestationen und oft auch Getränke und Snacks, Zeitschriften und TV-Nachrichten. Ursprünglich gedacht als Wartebereich für Kunden mit ausländischem Wohn­sitz die sich die örtliche Mehrwertsteuer erstatten lassen können, entwickelt sich die Lounge nun zum universellen Servicezentrum mit Einkaufsberatung (Personal Shopping), Gepäckaufbewahrung (v.a. für die Einkäufe), Hands-Free Shopping (Einkäufe werden gesammelt und zum Auto, Taxi oder Bus gebracht), Heimlieferdienst und Einpackservice für Geschenke. In manchen Lounges findet man sogar Umkleidekabinen für jene, die ihre neuen Kleidungsstücke noch­mal anprobieren wollen. Und für die männlichen Begleiter gibt es gelegent­lich Computer oder Note­book-Arbeits­tische mit Steckdosen (WLAN ist sowieso vorhanden), damit diese das Geld ver­dienen können, dass ihre Frauen gerade ausgegeben haben. Neben der formalen Abwicklung der Mehrwertsteuer­rück­erstat­tung für Auslandskunden können am Concierge Desk eventuell auch Bonusmeilen ver­wal­tet, Geschenkgutscheine erworben oder Bargeld gewechselt werden. Wer kein Bargeld mehr hat, kann sich neues von zu Hause schicken lassen, mit­hilfe eines der üblichen Bargeldtransferdienste. Für die Heimreise ruft man gerne ein Taxi oder be­stellt eine Limousine. Wer nach der Einkaufsorgie dafür kein Geld mehr übrig hat, muss sich aber wohl mit einem Busfahrschein begnügen (gibt es dort ebenfalls).

Samstag, 4. November 2017

Außergewöhnliche Hotelpools

Schwimmbäder in Hotels stellen nicht notwendigerweise eine ästhetische Augenweide dar, und wenn, dann sind sie fast immer nur für Hotelgäste zugänglich. Bei Zimmerpreisen pro Über­nach­tung, für welche man anderswo eine ganze Woche urlauben kann, gerät ein Budget-Snob recht schnell an die Grenze seiner Möglichkeiten. Es gibt aber einen Ausweg: Man buche ein Quartier in einem preiswerten Hotel oder einer rustikalen Pension und besuche das Hotelschwimmbad als Tagesgast. Leider lassen die meisten Hotels mit interessanten Pools keine Tagesgäste zu. Zwei Ausnahmen sind jedoch das Monte Carlo Bay in dem gleichnamigen Fürstentum und das Hotel Villa Honegg im zentralschweizerischen Ennetbürgen.
Das Hotel und Resort Monte Carlo Bay (montecarlobay.com) befindet sich am östlichen Rand des Fürstentums und direkt am Meeresufer auf der Larvotto-Halbinsel. Den Gast erwarten ein präch­ti­ges Hallenschwimmbecken mit Whirlpools, eingebettet in einen tropischen Garten, und ein ganz­jährig mit 28°C beheiztes Überlauf-Außenschwimmbecken. In der Sommersaison ist außerdem die Lagune mit Sandboden, Wasserfällen und einem einzigartigen Entspannungsbereich geöffnet. Der Eintritt für externe Besucher schwankt je nach Saison zwischen € 105 und € 140 pro Tag und Ver­fügbarkeit (Parkplätze kosten extra). Gebucht wird am besten über die Webseite.
Das Hotel Villa Honegg (villa-honegg.ch), auf dem Bürgenstock hoch über dem Vierwaldstättersee ge­legen, besitzt einen beheizten Außenpool (34°C) mit einem unvergleichlichen Panoramablick auf die Schweizer Berge. Besucher, die nicht im Hotel übernachten, können ihre Aufenthalte im Spa-Bereich für 2018 ab dem 1. Januar 2018 (bis Ende Mai 2018) über die hoteleigene Webseite reser­vieren. Vier Stunden kosten je nach Saison ab SFr. 90 (Parkieren kostenlos). Bei der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln bis Ennetbürgen, Post bietet das Hotel ab dort einen privaten Shuttle-Service.
Keinen Hotelpool, sondern ein tropisches Badeparadies mit mindestens 34°C warmem Thermal­wasser, offeriert die Therme Erding bei München, außerdem verschiedene Themen-Saunen, Wellen­bad, Rutschen und Wellnessbereiche (therme-erding.de). Einen Hotelbetrieb gibt es aber auch. Interessant für den Snob sind die diver­sen Thermen-Pri­vat­bereiche, wie z.B. die sog. Relaxinseln, sichtgeschützte Liegemöglichkeiten aus Rattan o.ä. für zwei Personen. Weiterhin hat man in der textilfreien Vitaltherme die Mög­lich­keit sich in die White Lounge zurückzuziehen. Dort findet man sog. Trauminseln, Himmelbetten und Suiten, in der höchsten Kategorie abschließbar und inklusive Champagner (über die Textilfreiheit sollte man sich allerdings noch mal vor Ort informieren). Empfohlen sei auf jeden Fall ein genaues Studium der Webseite.

Montag, 30. Oktober 2017

Billigflieger mit Stil?

Billigfluggesellschaften haftet ein eher negatives Image an und das oft leider zu recht. Eine der we­nigen Ausnahmen und der Nachweis, dass auch Billigflüge mit einem gewissen Stil absolviert wer-den können, stellt die britische Fluglinie Jet2.com dar. Das ist zwar noch kein endgültiger Beweis für Snobtauglichkeit, aber die Richtung stimmt.
Was die Fluglinie von anderen Billigfliegern unterscheidet, ist vor allem die Zusatzleistung „Pre-order Champagne“: Für £ 25 und mindestens 5 Tage vor Reiseantritt kann man auf der Jet2.com-Webseite eine Flasche Nico­las Feuillatte bestellen, die einem dann während des Fluges serviert wird. Wer sich erst an Bord für den Cham­pag­ner entscheidet, zahlt £ 30.
Außerdem sind im Flugzeug Pro­secco (200ml) für £ 6.50 (oder 2 für £ 12), Rot-, Weiß- und Rosé­wein (Kissing Tree, 187ml) für £ 4.50 und diverse Spirituosen (50ml) für £ 4.50 (oder 2 für £ 8) erhältlich. Der Bordshop ist eher unspekta­ku­lär, allerdings findet sich ein für britische Verhältnisse brauchbares Angebot: Bottega Diamond Pinot Noir, 75 cl für £ 22 (statt wie üblich £ 25). Weiterhin kann man über die Jet2.com-Webseite vorab seinen Sitz reservieren, warme Mahl­zeiten vorbestellen und einen Loungezugang via loungepass.com buchen.
Das Liniennetz betreffend, konzentriert die Gesellschaft ihre Hubs auf Englands Norden, sodass man praktisch immer in Manchester, Leeds oder den East Midlands umsteigen muss. Hauptziele der Flüge ab Groß­britannien sind die Urlaubsregionen am Mittelmeer. Aus der BRD gibt es Flüge ab Berlin und München nach Newcastle und Leeds (nur Berlin), ab Salzburg, Wien und Genf auch nach London STN und zu anderen Zielen.

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Der Niedergang von St. Moritz

Der bekannte Ferienort im Oberengadin versucht neue Gäste zu gewinnen, vor allem, indem man „cooler“ wird. Denn der Ruhm vergangener Tage als Flaniermeile der Schönen und Reichen droht zu verblassen, seit insbesondere die Besucher aus den Euroländern ausbleiben. Speziell das seit 2008 stattfindende „ Festival da Jazz“ im von dem bekannten Playboy Gunter Sachs gegründeten Dracula Club sollte den Aufbruch zu neuen Besuchersegmenten einleiten. Allerdings besteht die wichtigste Innovation der letzten Jahre wohl darin, dass viele Hotels neuerdings Wasserkocher auf den Zimmern für asiatische Kunden offerieren. Der allerneueste Hit sind jedoch Reha-Aufenthalte für Herzpatienten, mit Physiotherapie, Massagen und Kochkursen für gesunde Ernährung. Weitere Hotels versuchen ihr Glück mit Fahrradtouristen, denen neben geführten Radtouren auch eine Fahr­rad-Waschstation mit Werkstatt angeboten wird. Bei allen Innovationen wird jedoch ein wichtiger Grund für das Ausbleiben zahlreicher Besucher vergessen: Der Bauboom der letzten Jahrzehnte. Wer St. Moritz noch in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts besucht hat, konnte eine eher dörf­liche Atmosphäre erleben. Lediglich ein paar Villen, das Palace Hotel und das renommierte Kur­viertel wiesen darauf hin, dass der altehrwürdige Kurort eine Historie als Nobelferienort aufweist. Jetzt sind aber viele ehemalige Freiflächen bebaut und auch der Straßenverkehr braucht den Ver­gleich mit einer Groß­stadt nicht mehr zu scheuen. In erster Linie sind es Ferienwohnungen, die in den letzten zwanzig Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Damit entsteht aber genau das, was eigentlich nie­mand will: Eine Stadt in den Bergen.

Freitag, 20. Oktober 2017

Reiseziel im Spätherbst: Kopenhagen

Neben den üblichen Herbstreisezielen London, Wien oder Hamburg könnte man in diesem Jahr mal nach Kopenhagen fahren. Besuchenswert dort sind u.a. das Sta­tens Museum for Kunst (Eintritt gratis), das Nationalmuseum (en.natmus.dk; Eintritt gratis), der Botanisk Have mit dem sehenswer­ten Jugendstil-Palmehuset (botanik.snm.ku.dk) und die Königliche Oper (Programm unter kglteater.dk). Jeden Tag um 12 Uhr mittags findet vor dem Schloss Amalienborg der Wachwechsel der royalen Garde statt – fast wie in London. Das Zuschauen ist kostenlos. Gratis ein Fahrrad leihen kann man unter bycyklen.dk. Und in vielen Kunstgalerien werden freitags ab 17 Uhr Vernissagen mit kostenlosem Eintritt abgehalten.
Als Einkaufsziele bieten sich einige der dänischen Hoflieferanten an. Royal Copenhagen Porzellan findet man u.a. im Flagshipstore in der Amagertorv 6, Schmuck und Accessoires bei Georg Jensen gleich nebenan in der Amagertorv 4. Tee gibt es bei A.C. Perch’s Thehandel in der Kronprinsens­gade 5 (ideal auch für den Nachmittagstee). Englische Herrenpflege­pro­dukte von D.R. Harris, Truefitt & Hill und anderen findet man beim Nicht-Hoflieferanten Essence & Groom­ing, Gothersgade 97 (direkt am Kongens Have). Erlebenswert ist ferner die Markthalle Torvehallerne, unweit des Bahnhofs Nørreport, wo man auch essen kann.
Das gastronomische Angebot Kopenhagens steht natürlich nicht hinter dem anderer Metropolen zurück, aller­dings sind die Preise deutlich höher (alkoholische Getränke sollte man sowieso von Zuhause mitbringen). Wer es preiswert machen will, besucht einen der zahlreichen Pølse­vog­ne, in denen dänische Hotdogs serviert wer­den. Aber Achtung: Wer einfach nur einen „Hotdog“ ordert, be­kommt womöglich nur ein Würst­chen ohne Brot oder Beilage. Daher besser ein „røde pølse med brød“ be­stellen.
Hotelzimmer in Kopenhagen reserviert man am Besten über eines der üblichen Buchungsportale, wie z.B. Trip­advisor oder Booking. Dort findet man auch preiswerte Unterkünfte. Die Zimmer­preise setzen bei etwa € 40 ein; rechnen sollte man mit ca. € 60 pro Nacht und Person. Im örtlichen Generator Hostel (Nähe Kongens Have; generatorhostels.com) berechnet man ab DKK 480 (ca. € 65; WLAN inklusive, aber Frühstück kostet extra: DKK 75) für ein Einzelzimmer. Das A&O Hostel (www.aohostels.com) berechnet ab € 34 für ein Einzelzimmer.
Für die Anreise bieten sich die Fernbusse von Flixbus an, die auch nächtliche Verbindungen ab Berlin, Bremen und dem Rheinland offerieren. Außerdem gibt es einen nächtlichen IC Bus von Berlin via Hamburg. Der saisonale Nachtzug Hamburg – Kopenhagen befindet sich leider schon in der Winterpause.

Samstag, 14. Oktober 2017

Snobs und Lounges

Zunächst muss man sagen, dass nicht alles „Lounge“ ist, was sich „Lounge“ nennt. Selbst manche Gaststätten wagen es heutzutage sich „Lounge“ zu nennen, obwohl es sich um einen gewöhnlichen Gastronomiebetrieb handelt. Häufig ist es sehr schwer zu erkennen, was ein Betrieb überhaupt mit einer „Lounge“ gemeinsam haben soll. Der Duden kennt vor allem drei Arten von Lounges: 1. Ge­sellschaftsraum in einem Hotel o.Ä.; Hotelhalle, 2. Bar, Klub mit anheimelnder Atmosphäre, 3. luxu­riös ausgestatteter Aufenthaltsraum auf Flughäfen, in Bahnhöfen, großen Stadien o.Ä. Die De­finition „luxuriös ausgestatteter Aufenthaltsraum“ dürfte wohl am Universellsten sein, allerdings stehen bei Reiselounges naturgemäß die Bedürfnisse der Reisenden im Vordergrund. Exklusiv sind sie nicht. Für den Snob ist eine Reiselounge aber auf jeden Fall besser, als ein gewöhn­li­cher Warte­raum mit ungemüt­lichen Plastik­möbeln.
Dennoch findet man einen Snob nur selten in einer der üblichen Flughafen (Business) Lounges; das gilt sogar für die Erste-Klasse-Lounges diverser Fluggesellschaften. Einen Vielfliegerstatus hat er schon gar nicht. Der Grund ist simpel: Ein Snob fliegt bevorzugt mit einer Chartermaschine oder einem Lufttaxi. Diese starten entweder vom General Aviation Terminal oder von einem kleinen Flug­platz aus (v.a. wenn es sich um eine Propellermaschine handelt). Auf beiden gibt es in der Re­gel keine (Business) Lounges. Ein privater Business-Jet oder eine kleine Propellermaschine ist aber in jedem Fall exklusiver als ein Großraumjet, auch wenn man beim Reisekomfort Abstriche machen muss: Selbst im Business-Jet gibt es keinen Bordservice (höchstens eine kleine Minibar mit ein paar Getränken und Knabbereien zur Selbstbedienung), kein WLAN, kein Unterhaltungsprogramm, keinen Bordeinkauf, nichteinmal Stehhöhe und auch sonst nur wenig Platz. Trotzdem gibt jeder Snob einer Reise in einem Privatflugzeug den Vorzug vor einer Linienmaschine und entsagt damit indirekt auch dem Besuch in einer der üblichen Flughafenlounges, die aber zugegebenermaßen immer noch besser sind als die sonst gebräuchlichen Warteräume.
Am Boden stellt vor allem die erste Klasse der Eisenbahn die bevorzugte Transportart dar, sofern der Snob nicht mit dem Nachtzug-Schlafwagen reist. Die Wahr­schein­lichkeit in einer Bahnlounge einen Snob anzutreffen ist demzu­fol­ge deut­lich höher, als dies für Flug­hafenlounges gilt. Den Rei­senden in der erste Klasse stehen die 15 DB Lounges der Deutschen Bahn und die 7 ÖBB Club Lounges der Österreichischen Bundes­bahn offen, wobei Nachtzugpassagiere in Österreich ebenfalls Zugang zu den Lounges erhalten und der Zugang zu den ÖBB Lounges erst ab 90 Minuten vor der Abfahrt oder bis 90 Minuten nach der An­kunft des Zuges möglich ist. Das Angebot um­fasst für ge­wöhn­lich bequeme Sitzmöbel, alkoholfreie Heiß- und Kaltgetränke, Snacks, Zeitun­gen und Zeit­schriften, Notebook-Arbeitsplätze mit Steckdosen und WLAN, Toiletten und oft auch TV-Nach­rich­ten. Außerdem existieren in vielen europäischen Nachbarländern Bahnlounges, u.a. in Frank­reich, Belgien, den Nieder­lan­den, Spanien und Schweden, wobei das An­gebot und die Qualität recht un­terschiedlich sein können (z.B. sind in Frankreich Getränke kosten­pflichtig).
Weniger verbreitet sind Lounges in Seehäfen. In der BRD existiert derzeit nur eine einzige See­hafen-Lounge im Hafen von Kiel: Die Color Club Lounge der norwegischen Fährgesellschaft Color Line. Reisende nach Oslo erhalten Zugang zur Lounge wenn sie eine gehobene Reiseklasse gebucht haben oder Mitglied im Color Club (Jahresbeitrag € 10) sind. Dafür erhalten sie nach dem VIP-Check-In Zugang zur Lounge mit bequemen Sitzmöbeln, Zeitschriften, Getränken und WLAN. Snobs, die es nach Oslo zieht, werden mit Sicherheit in der Lounge Station machen.
Des weiteren findet man in Innenstädten und in Business Parks oft sog. Business Lounges meist lokaler Anbieter. In diesen erhält man vor allem vollausgestattete Büros zur Tagesmiete. Von ihrem Wesen her sind sie aber auf die Bedürfnisse von Geschäftsleuten zugeschnitten und für Snobs fast immer ungeeignet.
Neuerdings werden in Einkaufszentren und -vierteln Shoppers’ Lounges (auch Customer Lounge genannt) betrieben. Diese dienen dazu den Kunden, die die Möglichkeit haben sich bei Einkäufen die Mehrwertsteuer erstatten zu lassen, die Wartezeit während der Formalitätenabwicklung zu ver­süßen. Das Angebot umfasst bequeme Sitzmöbel, WLAN und Steckdosen, gele­gent­lich auch kalte Ge­tränke. Manch­mal wird sogar eine Gepäckaufbewahrung oder ein Gepäcktransfer für die ge­tätig­ten Einkäufe, ein Personal Shopper Service oder ein Concierge-Service angeboten. Bei­spiele für Shoppers' Lounges sind die Lounge im Londoner Kaufhaus Fraser (Oxford Street branch), die Monte­napo­leo­ne VIP Lounge in Mailand (Via Mon­tenapoleone 23) oder die Global Blue Lounges in Rom (Piazza di Spagna 29) und Mailand (Via Santo Spirito 5). Vor allem bei Global Blue sind weitere Standorte in Planung, u.a. in London, Paris und Madrid. Für Snobs sind diese Lounges nur interessant, wenn er (oder sie) ebenfalls die Mehr­wert­steuer auf Einkäufe er­stattet be­kommt oder gerade keine andere Ruhezone für eine kurze Pause verfügbar ist und die Lounge wenigstens ein Chesterfield-Sofa hat.
Eine Besonderheit stellt die LuxxLounge am Flughafen Frankfurt/M. dar. Zwar handelt es sich hier eindeutig um eine Flughafenlounge, jedoch befindet sich die Lounge außer­halb des Sicher­heits­bereiches, sodass auch Besucher ohne Flugticket Zugang ha­ben, was selbst für ankommende Flug­passagiere interessant sein kann. In einem angenehm ruhigen Ambiente wer­den dem Gast Snacks und Getränke, internatio­nale Tageszeitungen und Magazine sowie inter­natio­nales Fernsehen und kostenfreier PC mit Internet­zugang offeriert. Außerdem bietet die Lounge kom­fortable Sanitär­anlagen mit Duschmöglichkeiten und einen Kon­ferenz­raum. Der einzelne Ein­tritt für bis zu 3 Stun­den Aufenthalt liegt bei € 30, es gibt aber auch eine Tageskarte oder eine Jah­res­mitgliedschaft. Da der Flughafen Frankfurt/M. auch ein wichtiger Bahn- und Fernbusknoten­punkt ist, können ebenso Besu­cher die am Frankfurter Flughafen nur umsteigen ohne zu fliegen die Lounge besuchen. Folg­lich könnte sogar ein Budget-Snob, der aus Kostengründen mit dem Fernbus unterwegs ist, seinen Um­steigestopp so legen, dass er die LuxxLounge besuchen kann, selbst wenn dadurch die Kosten­ersparnis des Fern­busses zunichte gemacht wird.